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Vibrio vulnificus und andere Vibrionen in Badegewässern

Vibrio vulnificus (V. vulnificus) gehört zu einer Gruppe von Bakterien, den Vibrionen, die natürlicherweise in Brackwasser und Meerwasser vorkommen. Bei hohen Wassertemperaturen (> 20°C) kann sich die Konzentration dieser Vibrionen in Meerwasser deutlich erhöhen.

Erkrankungen durch Vibrionen sind in Deutschland zwar selten, zeichnen sich jedoch durch einen sehr ernsthaften Verlauf in Form von schweren Wundinfektionen und Blutvergiftungen (Sepsis) aus. Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Vorerkrankungen und offenen Wunden.

Nachdem einzelne Fälle im Ostseeraum seit Mitte der 80er Jahre beobachtet wurden, traten Infektionen nach Baden in der Ostsee Mitte der 90er Jahre stärker ins Bewusstsein, da es sich teilweise um sehr dramatische Einzelfälle handelte. Für behandelnde Ärzte war diese Erkrankung weitgehend neu.

In einem Übersichtsartikel (Baker-Austin et al., 2012) wird eine gewisse Zunahme von V. vulnificus Fällen im Ostseebereich in Abhängigkeit vom Klimawandel diskutiert. Im Bereich der Ostseeanrainerstaaten steigt dabei die Fallzahl seit 1985 von absolut deutlich unter 10 Fällen auf etwa 20 bis 30 Fälle pro Jahr (2010) an. Ein Ausnahmewert wurde im Jahr 2005 mit etwas über 60 Fällen registriert. Für die Ostsee wird dabei eine weitere Zunahme prognostiziert, da hier relativ geringe Salzgehalte und steigende Wassertemperaturen begünstigend für das Wachstum von V. vulnificus zusammen treffen.

Setzt man die aktuellen Fallzahlen zur Zahl der Besucher an der gesamten Ostsee ins Verhältnis, so wird deutlich, dass diese Erkrankungen nach wie vor sehr seltene Ereignisse sind, wenngleich sie im Einzelfall hochdramatisch verlaufen können.

Wie ist die Situation an der niedersächsischen Nordseeküste?

In einem gemeinsamen Monitoring Projekt mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz (2009-2011) konnte an insgesamt 285 Wasserproben gezeigt werden, dass V. vulnificus - Funde an der Nordseeküste vor allem im Bereich der großen Flussästuare von Ems, Weser und Elbe auftreten. Im Bereich dieser Ästuare konnten aus 179 Wasserproben 13 (7,3%) mal V. vulnificus isoliert werden. Das Wasser ist in diesen Bereichen durch die Süßwassereinträge aus dem Binnenland im Salzgehalt reduziert. Allerdings blieben die Nachweise mit 7,3 % relativ seltene Ereignisse. An Badestellen, die sehr gering unter Süßwassereinfluss stehen (Ostfriesische Inseln, ostfriesische Küste) wurden 106 Proben untersucht, aus denen bei gleicher Nachweismethodik V. vulnificus nicht isoliert werden konnte. Seit 2012 konzentriert sich daher das Monitoring an der Nordseeküste überwiegend auf Bereiche, die unter Süßwassereinfluss stehen und somit eine höhere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von V. vulnificus aufweisen. Von 2012-2014 konnte aus 204 untersuchten Proben 62 mal V. vulnificus isoliert werden.

Auch in Meerestieren (Miesmuscheln und Garnelen) der niedersächsischen Nordsee wurde bei bakteriologischen Routineuntersuchungen von Lebensmitteln V. vulnificus nachgewiesen. Zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen aller Art sollten Meerestiere nicht roh verzehrt werden. Auf gutes Durchgaren muss geachtet werden.

Neben V. vulnificus traten in der Vergangenheit im Ostseeraum auch noch andere Vibrio-Arten als wasserbürtige Krankheitserreger auf. So erkrankten im Sommer 2006 mehrere Personen an Wundinfektionen durch nicht toxinproduzierende Vibrio cholerae (nicht zu verwechseln mit den toxinbildenden Erregern der gefährlichen Magen-Darm-Infektion Cholera). Alle in Schweden erkrankten Patienten hatten vor ihrer Erkrankung offene Wunden und Kontakt zu Ostseewasser gehabt, zwei der Patienten hatten Vorerkrankungen. Auch wurde von Wund- und Ohrinfektionen mit Vibrio alginolyticus berichtet

Infektionen mit Vibrionen erscheinen somit denkbar, allerdings dürften sie sehr selten sein. In Deutschland belaufen sich die Schätzungen auf ca. zwei bis sechs Fälle pro Jahr. Da Vibrio-Infektionen nicht meldepflichtig sind, ist hier jedoch von einer Untererfassung auszugehen, so dass es besonders wichtig ist, dass behandelnde Ärzte vor allem im Küstenbereich für diese Infektionen sensibilisiert werden.

Personen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden sollten diese deshalb nicht dem Kontakt mit warmem, salzarmen Meerwasser aussetzen, insbesondere wenn sie an Vorerkrankungen leiden und ein geschwächtes Immunsystem haben.

In Sommermonaten muss bei verdächtigem Krankheitsbild somit an die Möglichkeit einer Infektion durch Vibrionen gedacht und bei Wundinfektionen nach dem Kontakt mit Meerwasser bzw. nach dem Verzehr von Meerestieren gefragt werden.

Wegen des raschen und schweren Krankheitsverlaufs ist eine frühestmögliche Einleitung der antibakteriellen Therapie entscheidend, auch wenn die mikrobiologische Bestätigung noch aussteht. Hierbei kommen u. a. Tetrazykline, Cephalosporine der höheren Generation und Fluorchinolone zum Einsatz.

Das Merkblatt zu diesem Thema können Sie als PDF-Datei herunterladen.

Vibrio vulnificus-Bakterien

Vibrio vulnificus-Bakterien (CDC/Janice Carr, Colorized by James Gathany)

Bildrechte: CDC/Janice Carr, Colorized by James Gathany
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