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Merkblatt zu Hantavirus-Infektionen (2. Aufl. Dez. 2007)
PDF, 158 KB
Weitere Informationen unter:
RKI Information zu Hantavirus-Infektion
Hantavirus-Infektionen

Diese Informationen richten sich primär an Ärztinnen/Ärzte und medizinisches Fachpersonal.

Erreger
Hantaviren gehören zur Gruppe der Bunyaviridae. Es gibt mehrere Serotypen. In Mittel- und Nordeuropa ist hauptsächlich das Puumala-Virus verbreitet, seltener der Serotyp Dobrova. In anderen Regionen Europas kommen auch die Serotypen Belgrad, Seoul und Hantaan vor. Vor allem Rötelmäuse, aber auch Brandmäuse oder Wanderratten stellen in Deutschland das Reservoir für das Puumala-Virus dar. Ein gehäuftes Auftreten von Hantavirus-Infektionen steht daher meist in Zusammenhang mit einer starken Vermehrung der Nagerpopulation.

Epidemiologie
Serologische Studien belegen ein weltweites Vorkommen von Hantaviren bei Nagern. Auch bei Menschen sind weltweit Antikörper gegen Hantaviren nachgewiesen worden. Die Zahl der klinisch manifesten und erkannten menschlichen Infektionen liegt weltweit bei 200.000 bis 300.000 Fällen jährlich. Dreiviertel dieser Infektionen werden in China und südostasiatischen Ländern registriert. Bei einem hohen Prozentsatz subklinischer Infektionen dürfte die Inzidenz von Hantavirus-Infektionen die Zahl der klinisch beobachteten Fälle – insbesondere in Europa - jedoch deutlich übersteigen. Infektionen mit Hantaviren treten ganzjährig auf, vorwiegend jedoch in den Monaten Mai bis Juli. Meist sind Personen im Alter zwischen 15 und 65 betroffen, Männer dreimal häufiger als Frauen, Kinder sehr selten. Deutsche Endemiegebiete finden sich vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und Mecklenburg- Vorpommern. Aber auch in einigen Regionen Niedersachsens konnte in den letzten Jahren eine größere Anzahl von Erkrankungsfällen beobachtet worden. Vor allem in den Jahren 2005 und 2007 wurden jeweils mehr als 70 Fälle in Niedersachsen gemeldet. Davon waren insbesondere die Stadt und der Landkreis Osnabrück sowie Süd-Ostniedersachsen betroffen.

Übertragungswege
Die Übertragung der Viren erfolgt über die Ausscheidungen infizierter Mäuse und Ratten, deren Exkremente mit Stäuben aufgewirbelt und eingeatmet werden. Auch eine Übertragung über kontaminierte Hände oder durch direkten Kontakt zu infizierten Nagern (Mäusebiss) ist möglich.

Inkubationszeit
Die Inkubationszeit beträgt üblicherweise 2-4 Wochen. In Ausnahmefällen kann 5 bis 60 Tagen betragen.

Krankheitsbild
Typische Krankheitsbilder einer Infektion mit Hantaviren sind die bei uns vorherrschende Nephropathia epidemica mit Nierenfunktionsstörungen bis hin zur dialysepflichtigen Niereninsuffizienz, das im asiatischen Raum vorherrschende Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) sowie das Hantavirus-Lungensyndrom (HPS) mit interstitieller Pneumonie, schwerem Lungenödem, Schock und ARDS, welches durch in Europa nicht vorkommende Serotypen ausgelöst wird und in bis zu 50% letal ist.
Charakteristisch für alle Verlausformen sind der akute Krankheitsbeginn mit Fieber > 38°C und das schwere Krankheitsgefühl mit Kopf-, Muskel- und Flanken- bzw. Rückenschmerzen. Auch Schwindel und Sehstörungen, Bauchschmerzen, Diarrhöen, ein petechiales Exanthem und ein trockener Reizhusten können auftreten. Häufig verläuft die Infektion bei uns aber auch asymptomatisch oder lediglich mit leichten grippeähnlichen Beschwerden und wird selten als solche erkannt. Bei einem Teil der Erkrankten kommt es nach wenigen Tagen zu einem Anstieg des Serumkreatinins, einer Proteinurie, konsekutiver Oligurie, dem Auftreten von Ödemen sowie einem Blutdruckabfall und schließlich zum akuten Nierenversagen. Die häufig im Initialstadium verordneten Analgetika – insbesondere Nicht-Steroidale-Antirheumatika (NSAR) – können dabei fälschlich in ursächlichen Zusammenhang gebracht werden. Typisch für das HFRS sind eine Thrombozytopenie, ein Hämatokritanstieg und/oder eine vermehrte Blutungsneigung (Petechien, Nasenbluten, Mikrohämaturie). Ausgeprägte hämorrhagische Komplikationen sind bei einer Infektion mit dem Puumala-Virus selten, treten beim in Südostasien vorherrschenden Hantaan-Virus jedoch in 80% der Fälle auf.

Diagnostik
Die Diagnose einer Hantavirus-Infektion wird in der Regel anhand des klinischen Bildes und der serologischen Untersuchungsergebnisse gestellt. Der serologische Nachweis einer Infektion erfolgt mit Hilfe immunoenzymatischer Verfahren (IgM- und IgG- Antikörpern gegen das Puumala-Virus bzw. gegen Hantaanviren im Serum), der Immunfluoreszenz oder einem Erregernachweises mittels PCR (Speziallabor).

Therapie
Symptomatisch Analgetika/Antipyretika (möglichst keine NSAR), bei Nierenbeteiligung Kontrolle und ggf. Ausgleich des Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts, bei akutem Nierenversagen auch Peritoneal- oder Hämodialyse.

Meldepflicht
Der Nachweis eines Erregers aus der Gruppe der Hantaviren ist nach §7 IfSG vom Labor beim für den Einsender zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Die hämorrhagische Verlaufsform ist nach §6 IfSG auch für den behandelnden Arzt meldepflichtig

Gefährdung und Prävention
Als besonders gefährdet gelten Berufsgruppen, die sich viel im Freien aufhalten - wie Jäger, Forstwirte, Land- und Waldarbeiter und Soldaten. Das erhöhte Erkrankungsrisiko, das man in aktuellen Untersuchungen insbesondere bei Hundebesitzer und Pilz- und Beerensammler gefunden hat, liegt wahrscheinlich an dem vermehrten Aufenthalt dieser Gruppen in Waldgebieten. Ein erhöhtes Risiko besteht auch beim Reinigen lange ungenutzter und unbelüfteter Räume (wie z.B. Scheunen, Dachböden, Garagen, Lagerräume oder Werkstätten), in denen sich Mäuse oder Ratten aufhalten könnten. Zur Vorbeugung wird empfohlen, beim Reinigen dieser Räume ausreichend zu lüften und möglichst wenig Staub aufzuwirbeln bzw. mit feuchten Tüchern zu reinigen und sich anschließend gründlich die Hände zu waschen. Mäuse, Ratten und deren Exkremente sollten, wenn nötig, nur mit Handschuhen angefasst werden.

Weiterführende Informationen finden Sie auf den Internetseiten des RKI unter Infektionskrankheiten > Hantavirus. http://www.rki.de/cln_006/nn_225576/DE/Content/InfAZ/H/Hantavirus/ hantavirus.html /1

Dieses Merkblatt kann auch als PDF-Datei heruntergeladen werden.

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