Vibrio vulnificus gehört zu einer Gruppe von Bakterien, den Vibrionen, die natürlicherweise in Brackwasser und Meerwasser vorkommen. Bei hohen Wassertemperaturen (> 20°C) kann sich die Konzentration dieser Vibrionen in Meerwasser deutlich erhöhen.
Erkrankungen durch Vibrionen sind in Deutschland zwar selten, zeichnen sich jedoch durch einen sehr ernsthaften Verlauf in Form von schweren Wundinfektionen und Blutvergiftungen (Sepsis) aus. Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Vorerkrankungen und offenen Wunden.
Aktuell berichten die Gesundheitsbehörden verschiedener Ostseeanrainer von durch Vibrionen verursachte Wundinfektionen.
In Mecklenburg-Vorpommern wurde an mehreren beprobten Badestellen im strandnahen Bereich der Ostsee Vibrio vulnificus nachgewiesen. Bislang traten im Jahr 2006 bei zwei Personen, die in der Gegend von Usedom Kontakt mit Meerwasser hatten, typische Erkrankungen auf. Bei beiden Personen sind Vorerkrankungen bekannt. In 2004 war es ebenfalls zu zwei Erkrankungen an der deutschen Ostseeküste gekommen, von denen eine tödlich verlaufen war. Ähnliche Berichte liegen aus Schleswig-Holstein vor.
Gezielte Untersuchungen des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes im Rahmen der Badegewässerüberwachung der Gesundheitsämter haben in den vergangenen Jahren auch vereinzelt Vibrio Vulnificus an Badestellen der Nordsee nachgewiesen. Zuletzt wurde an der Badesstelle Duhnen ein Nachweis geführt, was allerdings kein Grund zur Sperrung der Badesstelle darstellt.
Auch in Meerestieren (Miesmuscheln und Garnelen) der niedersächsischen Nordsee ist im Sommer 2004 bei bakteriologischen Routineuntersuchungen von Lebensmitteln Vibrio vulnificus nachgewiesen worden.
In Südostschweden erkrankten im Sommer 2006 bisher drei Personen an Wundinfektionen durch nicht toxinproduzierende Vibrio cholerae (nicht zu verwechseln mit den toxinbildenden Erregern der gefährlichen Magen-Darm-Infektion Cholera). Alle in Schweden erkrankten Patienten hatten vor ihrer Erkrankung offene Wunden und Kontakt zu Ostseewasser gehabt, zwei der Patienten hatten Vorerkrankungen.
Personen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden sollten diese deshalb nicht dem Kontakt mit warmen Meerwasser aussetzen, insbesondere wenn sie an Vorerkrankungen leiden und ein geschwächtes Immunsystem haben.
Zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen aller Art sollten Meerestiere nicht roh verzehrt und auf gutes Durchgaren geachtet werden.
In Sommermonaten muss bei verdächtigem Krankheitsbild auch an die Möglichkeit einer Infektion durch Vibrionen gedacht und bei Wundinfektionen nach dem Kontakt mit Meerwasser bzw. nach dem Verzehr von Meerestieren gefragt werden.
Wegen des raschen und schweren Krankheitsverlaufs ist eine frühestmögliche Einleitung der antibakteriellen Therapie entscheidend (Tetrazykline in Kombination mit Cephalosporinen der höheren Generation), auch wenn die mikrobiologische Bestätigung noch aussteht.
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