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Schematischer Aufbau eines Influenzavirus
Schematischer Aufbau eines Influenzavirus
 
Projektbericht "Früherkennung von Grippevirusinfektionen (Influenza) bei stationär-internistischen Patienten 2007 und 2008"
PDF, 1469 KB
 
Surveillance für Influenza und andere akute respiratorische Erkrankungen
Die Influenza-Erkrankung

Die Influenza-Erkrankung

Die Influenza –oder "echte" Virusgrippe- ist eine akute Erkrankung der oberen und unteren Atemwege, die durch eine Infektion mit Influenzaviren ausgelöst wird. Dabei können Nasenschleimhaut, Rachen, Bronchien und auch die Lungen betroffen sein.

Influenza tritt weltweit meist in den kälteren Jahreszeiten epidemisch mit unterschiedlicher Ausbreitung und Schwere auf. Die Ausbrüche gehen mit einer signifikant erhöhten Mortalität vor allem in Risikobevölkerungsgruppen einher. Allein in Deutschland fordert die Influenza jährlich zwischen 5000 und 30000 Todesfälle.

Das Influenzavirus

Struktur und schematischer Aufbau eines Influenzavirus


Die Erreger der Influenza, der echten Virusgrippe, sind Influenzaviren, ca. 100nm große RNA-Viren, die zur Familie der Orthomyxoviren gehören. Die Influenzaviren werden in drei Typen eingeteilt, Influenza A-, B- und C–Viren, die durch ein spezifisches Ribonukleoprotein (RNP) innerhalb der Virushülle gekennzeichnet werden.
Viren des Typs B  und C sind hauptsächlich für den Menschen pathogen, während Influenza A verschiedene Säugetiere und Vögel infizieren kann. Influenza C führt beim Menschen auch zu Infektionen und Erkrankungen, die in der Regel allerdings wesentlich leichter verlaufen als bei der Influenza A und B.
Das Ribonukleoprotein im Inneren des Virus enthält die RNA-Segmente und ist von Matrixprotein M1 umgeben. Die Außenhülle des Influenzavirus wird von einer Lipid-Doppelmembran gebildet, in der sich die Oberflächenantigene Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N), beides Glykoproteine, und ein weiteres Matrixprotein (M2) befinden.
Influenza A–Viren werden durch ihre verschiedenen Oberflächenantigene N und H charakterisiert und in Subtypen eingeteilt.
Bisher sind beim Menschen 3 verschiedene Subtypen durch Kombination der H und N – Proteine über längere Zeit hindurch aufgetreten: H1N1, H2N2 und H3N2. Bei insgesamt 9 N und 16 H-Variationen, die bisher bekannt sind, gibt es theoretisch über 100 verschiedene Kombinationsmöglichkeiten für weitere Subtypen. Im Tierreich sind bisher über 70 Kombinationen gefunden worden. Ein großes Reservoir an unterschiedlichen Subtypen findet man bei einigen Vogelarten.
Influenzaviren sind als RNA-Viren relativ instabil in ihrem Genmaterial. Die RNA kann sich durch einzelne Punktmutationen im RNA-Strang leicht verändern und neue Virusvarianten bilden, die sich in Änderungen der Oberflächenantigene H und N ausdrücken (Antigen-drift).
Diese ‚Drift’ ermöglicht es den Viren immer wieder, die natürlich aufgebaute Immunität der Menschen zu unterwandern, und führt zu weiteren Epidemien.
Die Ausbildung von Virus-Varianten ist der Grund dafür, dass Schutzimpfungen gegen Influenza jährlich an die zirkulierenden Viren angepasst werden müssen.

Pandemische Influenza
Im letzten Jahrhundert kam es dreimal zu starken genetischen Veränderungen der Influenza A-Viren und damit zu Änderungen in den Oberflächenantigenen, hauptsächlich der H-Komponenten (Antigensprung oder Antigen-‚shift’). Diese Änderungen bewirkten globale Pandemien  ( weltumspannende Epidemien - bewirkt durch neue Subtypen).Die bekannteste Influenza - Pandemie ist die "Spanische Grippe" von 1918, der ca. 40 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Zwei weitere Pandemien traten 1957 (asiatische Grippe) und 1968 (Hongkong- Grippe) auf. Alle drei Pandemien zeichneten sich durch eine erhöhte Morbidität und Mortalität aus. Im Gegensatz zu normalen Influenzaausbrüchen waren in den Pandemien verstärkt auch jüngere Menschen betroffen.

Übertragung
Influenzaviren werden hauptsächlich aerogen von Mensch zu Mensch übertragen, d.h. durch Tröpfcheninfektion. Die Infektion kann dabei über eine Distanz von einigen Metern erfolgen. Die Viren können aber auch leicht durch direkten Kontakt über die Hände und durch Schmierinfektion weitergegeben werden. Die Kontagiosität ist kurz vor Erscheinen der klinischen Symptome am größten und hält ca. 3-5 (-10) Tage an. Die Inkubationszeit beträgt 1-3 Tage.

Klinik
Die Influenza ist gekennzeichnet durch plötzlich einsetzendes Fieber (sudden onset), Myalgien, Myositis, Kopfschmerzen und respiratorischen Symptomen wie nicht produktiven Husten und Rhinitis. Die Influenza ist oft von einem schweren Krankheitsgefühl begleitet.Als Komplikation kann eine primäre virale (teilweise mit schwerer hämorrhagischer Tracheobronchitis) oder sekundäre bakterielle Pneumonie auftreten.Das akute Krankheitsbild einer unkomplizierten Influenza klingt normalerweise innerhalb von 2-5 Tagen wieder ab und ist nach etwa einer Woche überstanden. In einigen Fällen kann aber ein Schwächegefühl und Erschöpfung noch mehrere Wochen anhalten (Postinfluenza-Asthenie).

Diagnostik
Während einer Influenza-Epidemie, wenn die Influenza-Surveillance ein erhöhtes Aufkommen an Influenzaerkrankungen meldet, wird die Influenza in der Regel aufgrund der klinischen Symptome gestellt. Eine Labordiagnostik ist dann nicht nötig. In Fällen, wenn Influenza sporadisch auftritt oder eine schwere akute respiratorische Erkrankung vorliegt, die mit Fieber einhergeht, sollte eine schnelle Labordiagnostik durchgeführt werden.Zur schnellen Diagnostik sind Tests geeignet, die die viralen Antigene direkt nachweisen, wie z. B. die Polymerasekettenreaktion (PCR) oder andere Antigen-Schnelltests.Die Influenzaviren lassen sich im allgemeinen am 1. – 10. Krankheitstag nachweisen, am  besten gelingt der Nachweis aus Rachenabstrichen am 2.- 4. Krankheitstag.Der Rachenabstrich sollte in ein Virus-Transportmedium gegeben werden und möglichst rasch (evtl. gekühlt) zum Labor gesandt werden. Statt speziellen Virus-Transport-Röhrchen  kann auch 0,5 ml sterile NaCl-Lösung in einem sterilen Röhrchen verwendet werden.Eine Influenza kann auch serologisch durch Immunfluoreszenztest (IFT) oder Komplementbindungsreaktion (KBR) nachgewiesen werden, dazu werden  idealerweise zwei Blutproben im Abstand von 14 Tagen untersucht. Ein Titeranstieg der spezifischen Antikörper in der KBR auf den vierfachen Ausgangswert ist beweisend für eine Influenzavirusinfektion. Der Hämagglutinationshemmtest (HHT) kann zur Überprüfung einer Immunität herangezogen werden (variantenspezifisch).

Therapie
Bei leicht verlaufenden, unkomplizierten Erkrankungen wird meistens symptomatisch behandelt. Fiebersenkende Medikamente, Schmerzmittel gegen die Kopf- und Gliederschmerzen, Antihistaminika zur Abschwellung der Schleimhäute und Inhalationen zum Verflüssigen von zähem Schleim können sehr hilfreich sein.ASS (Acetylsalizylsäure) sollte bei Kindern wegen der Assoziation zum Reye-Syndrom nicht angewandt werden.Akut Erkrankte sollten Bettruhe einhalten und für ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen.Die Influenza kann durch antivirale Medikamente wie Amantadin (gegen Influenza A) und Neuraminidasehemmern (Oseltamivir und Zanamivir) gegen beide Virustypen behandelt werden.(Dosierung und Anwendungsart siehe Empfehlungen der Hersteller).
Wegen Resistenzbildungen  und der möglichen Nebenwirkungen des Amantadins werden heute  die Neuraminidasehemmer bevorzugt. Die Behandlung mit Neuraminidasehemmern sollte möglichst frühzeitig über die Dauer von 5 Tagen durchgeführt werden.

Prophylaxe
Die Impfung gegen Influenza ist eine wichtige Maßnahme zur Prophylaxe. Als Impfstoff steht eine inaktivierte Spaltvakzine zur Verfügung. Es handelt sich um trivalente Impfstoffe gegen die aktuell vorkommenden Viren: A(H3N2), A(H1N1) und B. Da die Influenzaviren von Jahr zu Jahr variieren, muss der Impfschutz regelmäßig erneuert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt zweimal jährlich eine Empfehlung zur Zusammensetzung der aktuellen Impfstoff-Komponenten heraus, die von den Impfstoffherstellern umgesetzt wird.Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut sollten folgende Personengruppen im Herbst mit einem Impfstoff mit aktueller von der WHO empfohlener Antigenkombination geimpft werden:

  • Personen über 60 Jahre
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit
    • erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens, wie z.B.: chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inklusive Asthma und COPD), chronische Herz-Kreislauf-, Leber- und  Nierenkrankheiten,
    • Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten,
    • Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben,
  • Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion, HIV-Infektion,
  • sowie Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen,
  • Personen mit erhöhter Gefährdung, z. B. medizinisches Personal,
  • Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
  • sowie Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute ungeimpfte Risikopersonen fungieren können.
  • Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln. Der Influenza-Impfstoff bietet keinen direkten Schutz vor Infektionen durch den Erreger der aviären Influenza, er kann jedoch Doppelinfektionen mit den aktuell zirkulierenden Influenzaviren verhindern.
  • Für Reisende aus den Risikogruppen, die nicht über einen aktuellen Impfschutz verfügen, ist die Impfung generell empfehlenswert, für andere Reisende ist eine Influenza- Impfung nach Risikoabwägung entsprechend Exposition und Impfstoffverfügbarkeit sinnvoll.
  • Wenn eine intensive Epidemie aufgrund von Erfahrungen in anderen Ländern droht oder nach deutlicher Antigendrift bzw. wenn eine Antigenshift zu erwarten ist und der Impfstoff die neue Variante enthält.

(Robert Koch-Institut Epidemiologisches Bulletin Nr. 30 27. Juli 2007).


Eine weitere Möglichkeit der Prophylaxe ist die Anwendung von Neuraminidasehemmern. Sie sind nicht nur zur Therapie der Influenza geeignet, sondern können ggf. auch kurzfristig zur Prophylaxe verwendet werden.

Meldepflicht
Eine namentliche Meldepflicht besteht für den direkten Nachweis von Influenzaviren (IfSG, §7).

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