Überwachungsmaßnahmen Befürchtungen, dass es während der bevorstehenden alljährlichen Influenza-Saison erneut zum Auftreten von SARS-Erkrankungen kommen könnte, haben die WHO veranlasst, eindringlich an die nationalen Gesundheitsdienste zu appellieren, Vorbereitungen für diesen Fall zu treffen. Sie ruft alle im Gesundheitsdienst Tätigen auf, durch erhöhte Wachsamkeit zur Früherkennung von Indexfällen beizutragen und durch schnelles Handeln, d.h. Inkraftsetzung von entsprechenden antiepidemischen Maßnahmen, eine Ausbreitung der Erkrankung in Krankenhäusern und in der Bevölkerung zu verhindern. Die Intensivierung der Überwachungsmaßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt ist vor allem deshalb erforderlich, weil die Influenza und andere respiratorische Infekte den weitgehend unspezifischen Symptomen von SARS im frühen Krankheitsstadium ähneln und auch vermehrt atypische Pneumonien auftreten. Da ein wesentliches Kriterium für die Verdachtsdiagnose während des ersten SARS-Ausbruches – Aufenthalt im Epidemiegebiet oder Kontakt zu Erkrankten – für die Definition eines Index-Falles nicht mehr gegeben ist, könnte es zu einer Häufung von Verdachtsfällen kommen, die einer labordiagnostischen Abklärung bedürfen.
Zusammenfassung aller wichtiger Maßnahmen In Deutschland gibt es zur Zeit 9 wahrscheinliche SARS-Fälle (Stand: 15.05.03). Eine Weiterverbreitung der Erkrankung innerhalb Deutschlands ist aber bisher nicht aufgetreten. Entwarnung kann deshalb aber noch nicht gegeben werden und die von der WHO Mitte März initiierte weltweite Überwachung dieser Erkrankung muss intensiv weitergeführt werden. Ein von der WHO zusammengestelltes internationales Netzwerk von Klinikern und Virologen untersucht die Ursachen dieser Erkrankung. Am 16.04.2003 gab die WHO bekannt, dass es sich bei dem Erreger von SARS um ein neues Virus aus der Familie der Coronaviren (nähere Informationen unter Diagnostik am NLGA) handelt. Aufgrund der teilweise noch unklaren Übertragungswege und der steigenden Zahl der Fälle sprach die WHO Reisewarnungen für verschiedene chinesische Provinzen aus und rät, alle nicht unbedingt notwendigen Reisen in diese Gebiete vorerst zu unterlassen. Da sich die Einschätzung der SARS Situation und des sich daraus für Reisende ergebenden Risikos ständig ändert, sei für die aktuellen Reisewarnungen an dieser Stelle auf die Seiten von WHO (SARS Travel Recommendations) und Auswärtigem Amt (Hinweise zum "Akuten respiratorischen Syndrom" (SARS)) verwiesen. Nach bisherigem Kenntnisstand wird SARS hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankungsbeginn, beträgt ca. 2-7, maximal aber bis 10 Tage. Alle Reisende von oder nach Ostasien sollten über die möglichen Symptome von SARS (Fieber über 38oC, in Kombination mit Husten, Atemnot oder Kurzatmigkeit) Bescheid wissen und bei Auftreten dieser Krankheitszeichen dringend telephonisch einen Arzt kontaktieren um das weitere Vorgehen zu besprechen. Denn nur wenn die Erkrankung bzw. der Verdacht auf eine Erkrankung früh genug erkannt wird, können geeignete Maßnahmen zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung von SARS getroffen werden. Der behandelnde Arzt sollte bei Verdacht auf SARS (siehe dazu auch auf der RKI-Seite die aktuelle Falldefinition und betroffene Regionen) nach einem Stufenplan vorgehen, der in einem Informationsblatt für Ärzte zusammengestellt wurde. Auf Grund der ständig wachsenden Erkenntnisse zu SARS bedürfen die zur Verfügung gestellten Informationen einer ständigen Aktualisierung. Aktuelle Informationen, Fallzahlen und Dokumente erhalten Sie auch über die Internet-Seiten von RKI, WHO und CDC.
SARS - Diagnostik am NLGA Am 16. April 2003 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitgeteilt, dass ein neuer Erreger aus der Familie der Coronaviren als Ursache des schweren akuten respiratorischen Syndroms (SARS) gefunden wurde. Coronaviren können sowohl beim Menschen wie auch bei Tieren Infektionen auslösen. Gemeinsam ist allen Coronaviren der morphologische Aufbau und das große Genom aus Ribonukleinsäure. Während Coronavirusinfektionen im Tierreich große Bedeutung haben, sind die bisher bekannten menschenpathogenen Coronaviren lediglich Auslöser von banale Erkältungskrankheiten der oberen Atemwege. Sie werden durch Tröpfcheninfektion übertragen Coronaviren und sind gegen Austrockung sehr anfällig, d.h. an der Luft verlieren sie sehr schnell an Infektiosität. Das NLGA führt seit kurzem in begründeten Verdachtsfällen (siehe aktuelle Falldefinition des RKI) eine PCR-Diagnostik mittels Light Cycler-Technik ("real-time PCR") auf SARS-Viren durch. Dieser Test basiert auf den vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg veröffentlichten DNA-Sequenzen und geht auf die Veröffentlichung von Drosten et al. (Identification of a Novel Coronavirus in Patients with Severe Acute Respiratory Syndrome; The New England Journal of Medicine, April 2003) zurück. Eine telephonische Rücksprache und Beratung mit dem NLGA-Labor (0511/4505-201) vor einer etwaigen Probenzusendung ist unbedingt erforderlich. Dringende Anfragen außerhalb der Dienstzeiten können unter der Telephonnummer 0163 2060 100 gestellt werden. Mit Hilfe der PCR Methode (Polymerase Chain Reaction) können geringste Mengen genetischen Materials von SARS Viren aus verschiedenen Materialien nachgewiesen werden:
Sputum (wenn produziert, aber kein Speichel)
Nasen- Rachenspülwasser
Rachenabstrich, unbedingt aus dem hinteren Rachenbereich (Abstrichtupfer in 0,3% NaCl bzw. Transportmedium)
Stuhl
Ein positives Testergebnis besagt, dass ein Patient, bei dem ein SARS Verdacht besteht, mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem SARS-Virus infiziert ist oder vor kurzem infiziert wurde. Ein negatives Testergebnis bedeutet aber nicht, dass der Patient kein SARS hat oder haben könnte. Es gibt mehrere Gründe, wieso bei einem Patienten mit SARS-Verdacht der Test negativ ausfallen kann, z.B.:
Der Patient ist nicht mit dem SARS-Virus infiziert und die Symptome wurden durch einen anderen Erreger ausgelöst.
Die Probenentnahme wurde zu einem Zeitpunkt durchgeführt, an dem nicht ausreichend Erreger bzw. deren genetisches Material vorhanden war.
Es ist derzeit nicht sinnvoll, den verfügbaren Test für ein routinemäßiges Screening bei symptomfreien Personen, die aus SARS Risikogebieten zurückkehren, anzuwenden, um so eine Infektion mit dem SARS Virus ausschließen zu wollen. Ein negatives Testergebnis kann, wie oben beschrieben, mehrer Ursachen haben und würde deshalb nicht rechtfertigen, die getroffenen Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen im jeweiligen Fall aufzuheben. Aus den o.g. Gründen muss sich deshalb die Diagnose SARS bis auf weiteres vorrangig auf die klinische Symptomatik und die Exposition (Reisen in die betroffenen Gebiete oder enger Kontakt zu anderen SARS Fällen) stützen.