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Häufung von EHEC-Infektionen in Norddeutschland

In Niedersachsen und weiteren Bundesländern sind im Mai und Juni 2011 vermehrt Infektionen mit blutigem Durchfall aufgetreten. Dabei handelte es sich überwiegend um Infektionen mit EHEC-Bakterien. Betroffen von diesem EHEC-Ausbruch war hauptsächlich Norddeutschland.

Im Rahmen des EHEC und HUS-Ausbruchs wurden in Niedersachsen 714 EHEC und 141 HUS-Fälle übermittelt. Zum Vergleich wurden in Niedersachsen in den Vorjahren 158 EHEC- und 6 HUS-Fälle (2009) sowie 184 EHEC- und 9 HUS Fälle (2010) übermittelt.

EHEC und HUS-Ausbruch 2011: Karte der Erkrankungsfälle in Niedersachsen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in einer Presemitteilung am 26.7. mitgeteilt, dass der bislang größte EHEC-Ausbruch in Deutschland als beendet betrachtet wird, da der letzte dem Ausbruch zugeordnete Fall am 4.7. übermittelt wurde (Presseinformation des RKI).

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR), das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und das Robert Koch-Institut (RKI) haben anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz am 5.7.2011 bekannt gegeben, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmte Chargen von aus Ägypten stammenden Bockshornkleesamen für die EHEC O104:H4-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich verantwortlich sind. Wo und wie die Samen mit dem Ausbruchserreger in Kontakt kamen, ließ sich nicht ermitteln.
In einer Presseinformation vom 29.11.2011 gibt das BfR zur Prävention von Infektionen nach dem Verzehr von Sprossen und Keimlingen folgende Empfehlungen, die sich an Inverkehrbringer von Sprossen und Sprossensamen sowie Verbraucherinnen und Verbraucher richten:

"Bei Anbau, Lagerung, Behandlung und Transport von Samen zur Sprossenherstellung sollten die Unternehmen auf strenge hygienische Anforderungen achten, um das Risiko einer Kontamination mit Krankheitserregern so gering wie möglich zu halten. Sprossenproduzenten wird außerdem geraten, nur Samen zu verwenden, die zum Zweck der Sprossenproduktion gewonnen wurden. Nach Möglichkeit sollten Sprossensamen mit geeigneten keimreduzierenden Verfahren behandelt werden, insbesondere wenn die daraus herzustellenden Sprossen zum Rohverzehr bestimmt sind. Der Herstellungsprozess und die produzierten Sprossen sollten mittels mikrobiologischer Kontrollen in angemessenen Abständen überprüft werden.

Das BfR weist Verbraucherinnen und Verbraucher darauf hin, dass Sprossen mit Krankheitserregern belastet sein können, die sich jedoch durch Kochen und Braten abtöten lassen. Personen mit geschwächter Immunabwehr sollten deshalb Sprossen vorsichtshalber nur nach ausreichendem Erhitzen verzehren. Sprossen, die roh verzehrt werden, sollten zur Verringerung der Keimbelastung gründlich gewaschen und möglichst schnell verbraucht werden. Krankheitserreger lassen sich durch das Waschen jedoch nicht sicher eliminieren. Vor Oktober 2011 gekaufte Bockshornkleesamen sollten vorsichtshalber nicht angezüchtet werden. Sie sollten zu durchgegarten Gerichten verarbeitet oder über den Hausmüll entsorgt werden."


Fragen und Antworten zu EHEC

Was ist EHEC?
Die Abkürzung EHEC steht für enterohämorrhagische Escherichia coli. Es handelt sich um Bakterien, die Zellgifte (Toxine) produzieren, die beim Menschen schwere Erkrankungen auslösen können.

Wie äußert sich eine EHEC-Erkrankung?
Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten von Symptomen (Inkubationszeit) beträgt in den meisten Fällen 2-4 Tage (möglicher Bereich 1-8 Tage). Die ersten Anzeichen nach 2 bis 3 Tagen sind wässriger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und in manchen Fällen Fieber. Nach weiteren zwei bis drei Tagen scheidet ein Großteil der Erkrankten blutigen Stuhl aus, zudem bestehen Unterleibsschmerzen. Bei schweren Krankheitsverläufen kommt es ca. eine Woche nach Beginn der Durchfälle zum Auftreten eines hämolytisch-urämischen Sydroms (HUS).

Was ist HUS?
Die Abkürzung HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom. Es handelt sich um eine schwere Komplikation einer EHEC-Erkrankung, die unter anderem mit Nierenversagen, Störung der Blutgerinnung und Zerstörung von roten Blutkörperchen einhergeht. Sie tritt in 5-10% der schweren EHEC-Erkrankungen auf. Blutiger Durchfall kann ein erstes Anzeichen dieser Komplikation sein.

Wie kann ich mich anstecken?

  • Das BfR weist Verbraucherinnen und Verbraucher darauf hin, dass Sprossen mit Krankheitserregern belastet sein können, die sich jedoch durch Kochen und Braten abtöten lassen. Personen mit geschwächter Immunabwehr sollten deshalb Sprossen vorsichtshalber nur nach ausreichendem Erhitzen verzehren. Sprossen, die roh verzehrt werden, sollten zur Verringerung der Keimbelastung gründlich gewaschen und möglichst schnell verbraucht werden. Krankheitserreger lassen sich durch das Waschen jedoch nicht sicher eliminieren. Vor Oktober 2011 gekaufte Bockshornkleesamen sollten vorsichtshalber nicht angezüchtet werden. Sie sollten zu durchgegarten Gerichten verarbeitet oder über den Hausmüll entsorgt werden.
  • Weitere bekannte Infektionsquellen sind Rohmilch oder Erzeugnisse aus Rohmilch (also Milch, die nicht behandelt wurde, z.B. durch Erhitzen) oder nicht ausreichend gegartes Fleisch.
  • Eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch ist nur über den Kontakt mit dem Stuhl EHEC-infizierter Personen möglich (sog. Schmierinfektion). Eine Übertragung durch die Luft, wie z.B. bei der Influenza, ist nicht möglich (empfohlene Schutzmaßnahmen siehe nächste Frage).

Wie kann ich mich schützen?

  • Das BfR weist Verbraucherinnen und Verbraucher darauf hin, dass Sprossen mit Krankheitserregern belastet sein können, die sich jedoch durch Kochen und Braten abtöten lassen. Personen mit geschwächter Immunabwehr sollten deshalb Sprossen vorsichtshalber nur nach ausreichendem Erhitzen verzehren. Sprossen, die roh verzehrt werden, sollten zur Verringerung der Keimbelastung gründlich gewaschen und möglichst schnell verbraucht werden. Krankheitserreger lassen sich durch das Waschen jedoch nicht sicher eliminieren. Vor Oktober 2011 gekaufte Bockshornkleesamen sollten vorsichtshalber nicht angezüchtet werden. Sie sollten zu durchgegarten Gerichten verarbeitet oder über den Hausmüll entsorgt werden.
  • Achten Sie auf die Hygiene bei der Zubereitung von Speisen (siehe nächste Frage) und im Umgang mit EHEC-Infizierten.
  • Waschen Sie Ihre Hände mehrmals täglich, insbesondere nach dem Toilettengang, gründlich 20 bis 30 Sekunden mit Seife unter fließendem Wasser, auch zwischen den Fingern.
  • Wenn Personen in Ihrem Haushalt erkrankt sind, achten Sie auf eine besonders sorgfältige Hygiene der Hände. In diesen Fällen, insbesondere bei der Versorgung der Erkrankten, kann die Verwendung eines alkoholischen Händedesinfektionsmittels sinnvoll sein, sofern diese vom Arzt oder vom Gesundheitsamt empfohlen wurde. Auch mit Körperausscheidungen verunreinige Flächen sollten gründlich gereinigt werden. Auch hier kann, sofern dies vom Arzt oder dem Gesundheitsamt empfohlen wurde, eine Desinfektion sinnvoll sein.

Was muss ich bei der Zubereitung von Lebensmitteln beachten?

  • Die geltenden Regeln der Lebensmittelhygiene sollten immer eingehalten werden.
  • Bevor Sie Lebensmittel zubereiten, sollten Sie Ihre Hände gründlich waschen.
  • Roh zu verzehrendes Obst und Gemüse sollten Sie gründlich unter fließendem Wasser waschen und wenn möglich schälen.
  • Auch zwischen einzelnen Arbeitsschritten (z.B. zwischen der Zubereitung von rohem Fleisch bzw. Gemüse und Zutaten, die nicht erhitzt werden) sollten sie Ihre Hände waschen.
  • Achten Sie darauf, Bretter, Messer und anderes Küchengeschirr, das Sie zur Zubereitung von rohem Fleisch bzw. Gemüse benutzen sowie die Arbeitsfläche gründlich zu reinigen, bevor Sie andere Zutaten verarbeiten.
  • Lebensmittel sollten wenn möglich vor dem Verzehr ausreichend gegart werden.
  • Bewahren Sie leicht verderbliche Lebensmittel im Kühlschrank auf.

Ich habe Durchfall, was muss ich beachten?

  • Achten Sie wie vorstehend beschrieben auf eine sorgfältige Händehygiene und Sauberkeit der Toilette. Nutzen Sie - falls vorhanden - eine separate Toilette.
  • Treten wässrig-blutiger Durchfall oder anhaltend starke Bauchschmerzen auf, suchen Sie umgehend einen Arzt auf.
  • Erkrankte Personen, bei denen der Verdacht auf eine EHEC-Infektion gestellt wird, werden vom Arzt an das Gesundheitsamt gemeldet, damit das weitere Vorgehen besprochen werden kann.

In meiner Familie ist eine Person an Durchfall erkrankt, was muss ich beachten?

  • Achten Sie auf eine besonders sorgfältige Hygiene der Hände. In diesen Fällen, insbesondere bei der Versorgung der Erkrankten, kann die Verwendung eines alkoholischen Händedesinfektionsmittels sinnvoll sein, sofern diese vom Arzt oder vom Gesundheitsamt empfohlen wurde.
  • Auch mit Körperausscheidungen verunreinige Flächen sollten gründlich gereinigt werden. Auch hier kann, sofern dies vom Arzt oder dem Gesundheitsamt empfohlen wurde, eine Desinfektion sinnvoll sein.

Stand: 29. November 2011

EHEC-Bakterien unter dem Elektronenmikroskop

Elektronenmikroskopische Aufnahme von EHEC-Bakterien

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