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Antibiotika-Resistenz-Monitoring in Niedersachsen (ARMIN)

Allgemeines
Teilnehmende Labore
Basisdaten
Datenauswertung
Besonderheiten einzelner Erreger
Sonstiges

Allgemeines
In den letzten Jahren werden vor allem in den Industrienationen besorgniserregende Resistenzen von wichtigen bakteriellen Infektionserregern gegenüber Antibiotika beobachtet. Laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC, Bericht 2007) gehört die Resistenzentwicklung von Bakterien gegenüber Antibiotika gegenwärtig zu einem der wichtigsten Gesundheitsprobleme in Europa. Die Weltgesundheitsorganisation und auch die Europäische Union fordern ihre Mitgliedstaaten auf, wachsam zu sein und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Um für dieses Thema sowohl die Fachöffentlichkeit als auch die Bürger zu sensibilisieren, wurde am 18.11.2008 erstmalig der "Antibiotikatag" in Europa eingeführt. Antibiotikaresistenz war auch das Thema des Weltgesundheitstages 2011 (7. April 2011).
Die Resistenzentwicklung gefährdet die Behandlung von bakteriellen Infektionen. Der wesentlichste Grund ist die übermäßige, häufig auch falsch indizierte und falsch dosierte Gabe von Antibiotika. Um wirksame Kontrollstrategien und Präventionsmaßnahmen einleiten zu können, müssen verlässliche Daten zur Resistenzentwicklung erhoben werden. In Europa und in Deutschland tragen multizentrische Untersuchungen dazu bei, Informationen über die Resistenzausbreitung zu vermitteln. Die Resistenzentwicklung der Infektionserreger betrifft aber nicht in gleicher Weise alle Länder, Regionen, Krankenhäuser oder gar Stationen innerhalb eines Krankenhauses. Daher ist die Kenntnis der regionalen Resistenzsituation außerordentlich wichtig. Sie sollte die Grundlage für eine regionsspezifische, kalkulierte Antibiotikatherapie sein. Sie kann darüber hinaus Tendenzen zur Resistenzentwicklung aufzeigen sowie zur Kosteneinsparung durch Reduzierung des Antibiotikaverbrauchs beitragen.
Ziel des Monitoring Systems ARMIN ist es, die Resistenzentwicklung der klinisch relevanten Bakterien im stationären und ambulanten Bereich in Niedersachsen systematisch zu erfassen und langfristig zu beobachten. Es werden anonymisierte Ergebnisse der Resistenztestungen genutzt, wie sie routinemäßig bei bakteriologischen Untersuchungen in mikrobiologischen Laboratorien durchgeführt werden.

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Teilnehmende Labore
Bisher sind 13 Labore an dem Monitoring System beteiligt. Voraussetzung für die Teilnahme ist die abgeschlossene oder angestrebte Akkreditierung der Labore sowie der Zugang zur Laborsoftware Hybase® (Tieto). Für den Datentransfer wurde eine spezielle Schnittstelle eingerichtet, die eine anonymisierte Datenübermittlung an das NLGA ermöglicht.

Die teilnehmenden Labore sind:

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Laborstandorte

Standorte der beteiligten Labore & Grenzen der 2-stelligen Postleitzahlgebiete.

Basisdaten
In den teilnehmenden Laboren werden bei der Mehrzahl der Bakterien für die Antibiotikatestung MHK-Bestimmungen (MHK = minimale Hemmkonzentration) automatisiert durchgeführt. Bei anspruchsvollen Keimen wird der Agardiffusionstest eingesetzt. An das NLGA werden keine Rohdaten der Empfindlichkeitsprüfung (MHK-Werte, Hemmhofdurchmesser), sondern die bewerteten Befunde (sensibel, intermediär, resistent) übermittelt.
Eine wichtige Einteilung der übermittelten Daten erfolgt nach deren Herkunft: Unterschieden wird zwischen Daten aus dem Krankenhaus und Daten aus dem niedergelassenen Bereich (in der derzeitigen Auswertung sind für die Krankenhäuser Daten der Pflege- und Intensivstation zusammengefasst).
Darüber hinaus werden Angaben zu Geschlecht und Alter des Patienten sowie die zweistellige Postleitzahl der Ersteinsender und das untersuchte Material zu jeder Testung mitgeteilt.

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Datenauswertung
Gegenwärtig findet die Resistenzprüfung in den Laboren nach unterschiedlichen Normierungen statt (Grenzwerte nach DIN 58940 und CLSI M100-S17 und nach EUCAST). Die statistische Auswertung der übermittelten Daten zeigte allerdings nur geringfügige Abweichungen zwischen den eingesetzten Grenzwerten. Schwerpunkt der ARMIN-Darstellung ist die Trendanalyse der Resistenzdaten. Eine einheitliche Diagnostik und Bewertung von Resistenzdaten wird von den ARMIN-Teilnehmern angestrebt und erarbeitet.

Bei der statistischen Auswertung und Darstellung im Internet wurden folgende Punkte berücksichtigt:

  • Die Berechnung der Resistenzraten erfolgt für die 14 am häufigsten nachgewiesenen bakteriellen Infektionserreger.
  • ARMIN weist nur Antibiotika aus, für die bei EUCAST Grenzwerte hinterlegt sind (Ausnahme Stenotrophomonas maltophilia, hier gibt es nach EUCAST nur einen Grenzwert für Co-Trimoxazol, ARMIN berücksichtigt auch Moxifloxacin und Tigezyclin)
  • Die Angabe der Resistenz erfolgt als Resistenzrate in %. Sie berechnet sich nach: (Anzahl resistente Erreger / Anzahl getestete Erreger) *100, pro Jahr
  • Wiederholte Isolierungen desselben Bakterienstammes (copy strain) werden nicht berücksichtigt. Als copy strain wurden - unabhängig von der Lokalisation - bei jeder Auswertung 90 Tage pro Patient festgelegt.
  • Es erfolgt eine Differenzierung in Krankenhäuser (zusammengefasst sind derzeit Pflege- und Intensivstation) und den niedergelassenen Bereich.
  • Lag die Anzahl der Isolate, die auf ein bestimmtes Antibiotikum getestet wurden <50/Jahr (bezogen auf die Gesamtanzahl aus allen Laboren) wurde für das betreffende Jahr keine Resistenzrate des jeweiligen Antibiotikums berechnet.
  • Screening-Materialien wurden für die Berechnung der Oxacillinresistenz von Staphylococcus aureus ausgeschlossen. Diese Materialien konnten weitestgehend aufgrund eindeutiger Kennzeichnung durch die Labore identifiziert werden.
  • Für die Berechnung der Resistenzraten wurden Antibiotika zusammengefasst: Tetrazyklin = Doxyzyklin; Ampicillin = Amoxicillin; Co-Trimoxazol = Trimethoprim; Oxacillin = Flucloxacillin
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Keime mit besonderem Resistenzverhalten:

  • MRSA = Methicillinresistenter Staphylococcus aureus
    Resistenz gegenüber allen Betalaktam-Antibiotika
  • VRE = Vancomycin-resistente Enterokokken
    Partielle Kreuzresistenz mit Teicoplanin (Typ Van A, Van D)
  • ESBL-bildende Enterobakterien = extended spectrum beta-lactamases-bildenden Enterobakterien
    Resistenz gegenüber allen Penicillinen, Cefalosporinen und Aztreonam
    Da die ESBL-Bildung von gramnegativen Keimen nicht von allen Laboren eindeutig übermittelt wird, wird in der Darstellung auf die Resistenz gegenüber dem Drittgenerationscefalosporin Cefotaxim verwiesen

Sonstiges
Mupirocin:
Wird nur topisch bei MRSA Besiedlung eingesetzt.

Nitrofurantoin:
Eine Zulassung existiert nur für unkomplizierte Harnwegsinfektionen (HWI). Nach EUCAST sind nur Grenzwerte für die in ARMIN ausgewiesenen Erreger Escherichia coli und Enterococcus faecalis hinterlegt.

Piperacillin / Tazobactam:
Wird von ARMIN nicht ausgewiesen, da zurzeit keine validen Testergebnisse vorliegen.

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