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Informationen zu Norovirus-Infektionen

Hinweis: Einen Rückblick auf die Norovirus-Saison 2013/2014 können Sie in der Infospalte auf der rechten Seite herunter laden. Die zurückliegenden wöchentlichen Informationsblätter können Sie im Archiv abrufen.

Diese Informationen richten sich primär an Ärztinnen/Ärzte und medizinisches Fachpersonal

Erreger

  • Noroviren (früher als Norwalk-like-Viren bezeichnet) sind Vertreter der small round structured viruses (SRSV). Sie gehören zur Familie der Caliciviridae.
  • 1972 erstmals durch elektronenmikroskopische Untersuchungen beschrieben.
  • Größe der Viren ca. 26 bis 35 nm, nicht umhüllt, RNA Genom
  • Noroviren sind nicht in Versuchstieren und Zellkulturen vermehrbar.
  • Das Virus hat eine ausgeprägte Genomvariabilität. Die Unterteilung erfolgt in fünf Genotypgruppen (GGI bis V). GGI, GGII und GGIV sind humanpathogen und werden wiederum in wenigstens 20 Subtypen aufgeschlüsselt. Noroviren der Genogruppe III (Jena-Virus) und V (Maus Virus) sind nicht humanpathogen.
  • Die Viren sind ausgesprochen resistent gegenüber Desinfektionsmitteln und Umwelteinflüssen.

Vorkommen/Epidemiologie

  • Noroviren sind weltweit verbreitet.
  • Sind für einen Großteil der nicht bakteriell bedingten Gastroenteritiden bei Kindern (ca. 30%) und bei Erwachsen (bis zu 50%) verantwortlich.
  • Kinder unter 5 Jahren und ältere Personen über 70 Jahre sind besonders häufig betroffen.
  • Gastroenterititis-Ausbrüche überwiegend in Gemeinschaftseinrichtungen, Krankenhäusern, Altenheimen aber auch auf Kreuzfahrtschiffen, Familienfeiern etc.
  • Infektionen mit Noroviren können das ganze Jahr über auftreten.
  • Eine saisonale Häufung in den Monaten Oktober bis März ist zu beobachten.

Virusreservoir
Der Mensch ist nach heutigem Wissensstand das einzige Reservoir der Noroviren. Nachweis von Noroviren bei Tieren (Schweinen, Katzen, Kaninchen) steht in keinem erkennbaren Zusammenhang mit Erkrankung des Menschen

Infektionsweg

  • Ausscheidung über den Stuhl des Menschen in sehr großen Mengen
  • Übertragung vorwiegend fäkal-oral direkt von Mensch zu Mensch
  • Infektionen und Ausbrüche können auch von
    • kontaminierten Speisen (Salate, Krabben, Muscheln u. a.),
    • kontaminierten Getränken (verunreinigtes Wasser) oder
    • kontaminierten Gegenständen ausgehen
  • Infektiosität ist sehr hoch, minimale Infektionsdosis 10-100 Viruspartikel
  • Sehr rasche Infektionsausbreitung innerhalb von Gemeinschaften
  • Weiterer Übertragungsweg neben fäkal-oraler Übertragung ist die aerogene Übertragung durch Bildung virushaltiger Aerosole während des Erbrechens

Inkubationszeit und Virusausscheidung

  • Inkubationszeit 6 bis 50 Stunden
  • Personen scheiden das Virus während der akuten Erkrankung und mindestens bis zu 48 Stunden nach Sistieren der klinischen Symptome aus. (Gelegentlich auch 5-14 Tage nach Krankheitsbeginn bzw. in Ausnahmefällen auch über Wochen)

Klinische Symptomatik

Noroviren verursachen akut beginnende Gastroenteritiden. Schwallartiges heftiges Erbrechen und starke Durchfälle führen zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust und weiteren Symptomen:

  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit abdominalen Schmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Mattigkeit
  • erhöhte Temperaturen

Ohne begleitende Grunderkrankung bestehen die klinischen Symptome etwa 12 bis 48 Stunden. Die Infektion kann auch leichtere oder asymptomatische Verläufe aufweisen.

Diagnostik
Nachweis von Noroviren im Stuhl (bzw. Erbrochenem) ist derzeit durch 3 verschiedene Nachweismethoden möglich:

  • Elektronenmikroskopie (direkt oder als Immunelektronenmikroskopie)
  • RT-PCR Amplifikation (Vermehrung) viraler Nukleinsäuren
  • Nachweis viraler Proteine (antigen-EIA) (Die Sensitivität und Spezifität sind noch verbesserungsbedürftig)

Die Amplifikation viraler Nukleinsäure weist eine hohe Sensitivität und Spezifität auf und ist besonders in Form einer real-time PCR zur raschen Aufklärung von Ausbrüchen geeignet.

Eine Indikation zur Norovirus-Diagnostik besteht bei Patienten mit Durchfall (mit oder ohne Erbrechen), sofern keine andere Ursache für Symptome bekannt ist. Bei Ausbrüchen sollte eine Virusdiagnostik bei ausgewählten Erkrankten angestrebt werden (Stufendiagnostik)

Therapie

  • In der Regel reicht eine ambulante Behandlung aus. Bei Kleinkindern und älteren Personen mit erhöhten Flussigkeits- und Elektrolytverlust kann eine kurzzeitige Hospitalisierung notwendig sein.
  • Ersatz des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes
  • Eine kausale antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung
  • Eine Impfung steht nicht zur Verfügung
  • Spezifische Immunität nach Norovirus-Infektionen ist noch unklar

Präventive Maßnahmen
Allgemeine Hygiene in Krankenhäusern, Gemeinschaftseinrichtungen und Küchen

  • Konsequente Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln in Gemeinschaftseinrichtungen und Küchen
  • Zur Vermeidung einer Übertragung durch kontaminierte Speisen sollten insbesondere Gerichte mit Fisch und Meeresfrüchten gut durchgegart sein.
  • Erkrankte Personen sollten in der akuten Erkrankungsphase Bettruhe einhalten und bis zu 48 Stunden nach Sistieren der klinischen Symptome den Kontakt mit anderen Personen möglichst einschränken.
  • Eine Ansteckungsfähigkeit besteht wahrscheinlich erst mit Beginn der akuten Erkrankung, so dass für nicht erkrankte Kontaktpersonen keine Maßnahmen erforderlich sind.
  • Bei Auftreten geringer gastrointestinaler Beschwerden besteht schon eine Ansteckungsfähigkeit.

Maßnahmen bei Ausbrüchen

  • Infektionsquelle schnell erkennen.
  • Umgehend Maßnahmen einleiten, wenn als Ursache kontaminierte Speisen oder Getränke in Frage kommen.
  • Einleitung umfangreicher Hygienemaßnahmen zur Vermeidung einer fäkal-oralen Übertragung
    • Absonderung der erkrankten Personen (Zimmer mit eigenem WC, ggf. Kohortenisolierung).
    • Tragen von Handschuhen und Schutzkittel.
    • Intensivierte Händehygiene.
    • Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bei potentiellem Erbrechen des Patienten.
    • Tägliche Wischdesinfektion patientennaher Flächen, Türgriffe, Toiletten usw.
    • Bei Kontamination sofortige gezielte desinfizierende Reinigung.
    • Desinfektion der Leib- und Bettwäsche (chemisch-thermisch mindestens 60°C)
    • Geschirr kann in der Regel wie üblich maschinell gereinigt werden
    • Pflegeutensilien personenbezogen verwenden.
    • Information der Kontaktpersonen.
  • In Gemeinschaftseinrichtungen, z.B. Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegeheimen sollten Patienten-, Bewohner- und Personalbewegungen sowohl zwischen den Stationen als auch innerhalb der Stationen möglichst eingeschränkt werden.
  • Erkranktes Personal sollte auch bei geringen gastrointestinalen Beschwerden von der Arbeit freigestellt werden und frühestens 2 Tage nach Ende der klinischen Symptomatik die Arbeit wieder aufnehmen.

Desinfektionsmaßnahmen bei Ausbrüchen

  • Händedesinfektion: Die Hände werden mit einem Desinfektionsmittel eingerieben und feucht gehalten. Das Desinfektionsmittel muss nach Herstellerangaben gegen Polio- und/oder gegen Adenoviren wirken (meist ethanolische, nicht isopropanolische Lösungen). Die hierfür vorgeschriebene Einwirkzeit liegt meist zwischen 1 bis 3 Minuten.
  • Flächendesinfektion: Die Flächendesinfektion erfolgt entweder mit einem aldehydischen Flächendesinfektionsmittel oder einem Sauerstoffabspalter nach der vom Hersteller angegebenen Konzentration und Einwirkzeit.

Hygienemaßnahmen im privaten häuslichen Bereich

  • Im Privathaushalt kann in der Regel auf den Einsatz von Desinfektionsmitteln verzichtet werden.
  • Kontakte zu Erkrankten sollten auf ein unvermeidbares Minimum reduziert werden.
  • Erkrankte und Personen, die Erkrankte betreuen, sollten unbedingt eine sorgfältige Toiletten- und Händehygiene (sorgfältiges Waschen der Hände) einhalten.
  • Hygieneartikel personenbezogen nutzen.
  • Flächen im direkten Umfeld von Patienten (z. B. Nachtschränkchen) regelmäßig mit Einmaltüchern reinigen, die anschließend entsorgt werden.
  • Sichtbar verunreinigte Flächen (z. B. Waschbecken, Toilette, Türgriffe, Fußboden) sofort unter Benutzung von Gummihandschuhen mit Einmaltüchern reinigen. Reinigungstuch ebenfalls unmittelbar nach der Benutzung entsorgen.
  • Geschirr kann wie üblich gereinigt werden.
  • Erkrankte sollten keine Nahrungsmittel für andere zubereiten.
  • Leib- und Bettwäsche bei Temperaturen von mindestens 60 °C unter Verwendung eines Vollwaschmittels waschen.
  • Nach Abklingen der Symptomatik kann das Virus weiterhin mit dem Stuhl ausgeschieden werden, deshalb für weitere zwei Wochen intensive Toiletten- und Händehygiene eingehalten.

Meldepflicht
Nach §6 Abs. 1 Nr. 2 Infektionsschutzgesetz ist der Krankheitsverdacht auf und die Erkrankung an einer mikrobiell bedingten Lebensmittelvergiftung oder an einer akuten infektiösen Gastroenteritis dem zuständigen Gesundheitsamt unverzüglich namentlich zu melden, wenn

a. eine Person betroffen ist, die eine Tätigkeit im Sinne des §42 Abs. 1 (im Lebensmittelbereich) ausübt,

b. zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.

Nach §7 Abs. 1 Nr. 34 gilt die namentliche Meldepflicht für den direkten Erregernachweis aus Stuhl.

Stand: Dezember 2010

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Norovirus (CDC/Charles D. Humphrey)

Norovirus (CDC/Charles D. Humphrey)

Aktuelle Ausgabe des NoRo-Info:

Der Wochenbericht informiert über die aktuelle Situation zu den in Niedersachsen gemeldeten bzw. im NLGA nachgewiesenen Norovirus- und Rotavirus-Infektionen.

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