Logo Niedersächsisches Landesgesundheitsamt Niedersachen klar Logo

Niedersächsische Landesliste - Trinkwasseruntersuchungen auf Pflanzenschutzmittel und Biozidprodukte

Seit 2011 wird vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) die „Niedersächsische Landesliste - Trinkwasseruntersuchungen auf Pflanzenschutzmittel und Biozidprodukte“ (NiLaLi) im Auftrag des Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (MS) in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) erarbeitet. Sie wird dem kommunalen öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) in Niedersachsen als Arbeitshilfe für die Trinkwasserüberwachung zur Verfügung gestellt, um über eine geeignete Auswahl der zu untersuchenden Stoffe des Parameters mit der laufenden Nummer 10 „Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe und Biozidprodukt-Wirkstoffe“ der Trinkwasserverordnung zu entscheiden.
Die NiLaLi dient als Orientierung für den Parameterumfang, sollte jedoch stets den Erfahrungen und Kenntnissen vor Ort entsprechend angepasst werden. Dabei sind die zuständige Bezirksstelle der LWK bzw. das örtliche Pflanzenschutzamt sowie die Untere Wasserbehörde zu beteiligen. Bei Abweichungen von der NiLaLi sollten die Entschei-dungsbegründungen schriftlich dokumentiert werden.

Folgende Änderungen sind für die NiLaLi 2018 vorgesehen:
  • Umgestaltung der inhaltlichen Darstellung und des Tabellendesigns
  • Angabe von Aminomethylphosphonsäure (AMPA) als nicht relevanter Metabolit (nrM) mit
    Beurteilungswert von 3,0 µg/l
  • Aufnahme von Trifluoressigsäure (TFA) mit Beurteilungswert von 3,0 µg/l
Hintergrundinformationen zur Aufnahme von Trifluoressigsäure (TFA) in der NiLaLi 2018

Seit Ende 2016 sind aus Deutschland erhöhte Gehalte in Oberflächen- und Trinkwasserproben für Trifluoressigsäure (TFA) berichtet worden. Trinkwasserkonzentrationen bis maximal 1,5 µg/L wurden für Niedersachsen in einer Pilotstudie des Industrieverband Agrar e.V. (IVA) aus 2016/17 mitgeteilt.
Die farblose Trifluoressigsäure (TFA, CFȝCOOH, CAS 76-05-1) liegt im Wasser überwiegend als Acetat vor
(CFȝCOO¯ Na⁺Salz), ist extrem polar, sehr gut wasserlöslich bzw. mobil (keine Adsorption im Boden), gilt als persistent und kann aufgrund der sehr geringen Molekülgröße nur schwer aus dem Wasser entfernt werden. TFA kommt ubiquitär in der Umwelt vor; sowohl natürlichen Ursprungs als auch aus anthropogene Quellen wie beispielsweise über die Ver-wendung als Abbauprodukt von Kunststoffen, Treibgasen, Kühlmitteln (FCKW-Substitute), Narkose- oder sonstigen Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln oder über Industrieeinleitungen in Oberflächengewässer.
Regulatorisch ist TFA im Trinkwasser entsprechend der Pflanzenschutzmittelzulassung bzw. Verordnung (EC) 1107/2009 ein nicht relevanter Metabolit (nrM), der aus mehreren Pflanzenschutzmittelwirkstoffen entstehen kann (insbesondere flurtamonhaltige Herbizide). Im Rahmen der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln sind potentielle Exposition der Verbraucher modelliert und als vernachlässigbar bewertetet worden. Es gibt keinen gesetzlichen Grenzwert für nrM im Trinkwasser bzw. keine Umweltqualitätsnorm oder Schwellenwerte für Oberflächen-/ Grundwasser. Zur gesundheitlichen Bewertung von nrM im Trinkwasser wird in Deutschland das Konzept des „Gesundheitlichen Orientierungswertes (GOW)“ herangezogen. Der GOW für TFA ist im Dezember 2016 vom UBA von 1,0 µg/l auf 3,0 µg/l angehoben worden. Zudem gilt ein Vorsorge-Maßnahmenwert von 10 μg/l für Trinkwasser. Somit sind alle in diesem Zusammenhang bisher in Niedersachsen gemeldeten Befunde im Trinkwasser aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich.

  • Alle bisherigen bekannten Funde von TFA in niedersächsischen Trinkwasserproben unterschreiten den aktuell gültigen GOW und sind aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich.
Die Datenlage zur Belastung des Roh- und Trinkwassers mit TFA ist allgemein unzureichend und ist zur besseren Identifizierung möglicher Eintragsquellen und Entwicklung möglicher Minderungsstrategien zwingend zu verbessern. Im Sinne eines vorsorgenden Gesundheitsschutzes wird das bisher im systematischen Trinkwasser-Monitoring nicht berücksichtigte TFA erstmalig in die „Niedersächsische Landesliste - Trinkwasseruntersuchungen auf Pflanzenschutzmittel und Biozidprodukte 2018“ (NiLaLi) aufgenommen.

  • Mittels der NiLaLi wird im Sinne eines vorsorgenden Gesundheitsschutzes dem kommunalen öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) in Niedersachsen empfohlen, bei der Trinkwasserüberwachung TFA künftig in das Untersuchungsspektrum aufzunehmen.
TFA ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Parameter der TrinkwV. Somit kann auch auf Untersuchungsstellen zurückgegriffen werden, welche nicht die Zulassung als Trinkwasseruntersuchungsstelle nach § 15 Abs. 4 S. 4 TrinkwV 2011 zur Aufnahme in die Landesliste vorweisen. Als Mindestanforderung an die Untersuchungsstelle für den Parameter TFA sollte jedoch die Bescheinigung der fachlichen Kompetenz zur Durchführung qualitätsgesicherter Untersuchungen mittels einer Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025 (Prüflaboratorium) vorliegen. Angaben zur verwendeten analytischen Methode (insbesondere mit Angaben zur Nachweis- und Bestimmungsgrenze der Methode) bzw. den Maßnahmen zur analytischen Qualitätssicherung sind obligatorisch.
Trinkwasser
Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Nathalie Costa Pinheiro

Nds. Landesgesundheitsamt
Toxikologie
Roesebeckstr. 4-6
30449 Hannover
Tel: 0511-4505-0
Fax: 0511-4505-317

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln