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Fragen und Antworten zu Blei im Trinkwasser

Welche Gebäude können betroffen sein?

Wie ist der Grenzwert für Blei?

Wie kann festgestellt werden, ob die Leitung aus Blei ist?

Was ist zu tun bei erhöhten Bleimesswerten?

Was können Mieter tun, wenn Bleileitungen im Gebäude festgestellt wurden?

Was müssen Hauseigentümer tun, wenn sie Bleileitungen feststellen?

Stimmt es, dass alte, verkalkte Blei-Leitungen durch eine Schutzschicht aus Kalk weniger Blei freisetzen und somit sicher sind?

Gibt es noch andere Quellen für Blei im Trinkwasser außer Bleirohre?

Müssen alle Bleileitungen entfernt werden?

Nützen Filter gegen Blei?

Hilft Abkochen von Trinkwasser gegen zu hohe Blei-Konzentrationen?

Lässt sich mit einem Teilaustausch der Bleileitungen, z.B. durch Kupferleitungen, die Bleibelastung des Trinkwassers senken?

Reicht es aus erstmal die Bleileitungen zur Küche auszutauschen und später irgendwann die, die zum Badezimmer führen? Schließlich wird das Wasser ja aus der Dusche nicht getrunken.

Welche Materialien sind geeignet um die Bleileitungen zu ersetzen?

Wer darf die Sanierung der Trinkwasserleitungen vornehmen?

Kann der Vermieter die Kosten der Sanierung auf den Mieter umlegen?

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit der Austausch von Bleileitungen vom Land gefördert werden kann und in welcher Höhe wird gefördert?



Welche Gebäude können betroffen sein?
Bleileitungen wurden teilweise bis in die Mitte der 70er Jahre in Deutschland verbaut. Danach sollten sie aufgrund ihrer Einstufung als gesundheitlich bedenklich für neue Trinkwasserleitungen nicht mehr verwendet werden.

Sind Bleileitungen ab jetzt verboten?
Ein ausdrückliches Verbot gibt es nicht, jedoch lässt sich der neue Grenzwert nur einhalten, wenn das Trinkwasser vorher keine Bleirohre durchströmt hat. Somit kommt der neue Grenzwert einem Verbot von Bleileitungen gleich.
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Wie ist der Grenzwert für Blei?
Seit dem 1. Dezember 2013 gilt EU-weit für Blei ein Grenzwert von 0,010 mg/l (entspricht 10 µg/l). Dieser Wert wird seit 1990 von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfohlen. Er ersetzt nach einer 10 jährigen Übergangszeit den alten Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 0,025 mg/l (25 µg/l).

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Wie kann festgestellt werden, ob die Leitung aus Blei ist?
Hauseigentümer:

Einsicht in die Unterlagen vom Hausbau.
Im Keller liegen Wasserleitungen i.d.R. frei:

  • Klopftest, kein metallischer Klang
  • Bleileitungen sind silbergrau
  • Bleileitungen sind weich und lassen sich mit einer Münze einritzen
  • Bleileitungen sind biegsam und darum teilweise in geschwungenen Linien verlegt

Lassen Sie sich bei der Kontrolle der Leitungen ggf. von einem Installateur begleiten (Seite Ansprechpartner).
Beispiele finden Sie auch in unserer Bildergalerie.

Mieter:
Hauseigentümer, Hausverwalter, Hausmeister fragen. Es besteht seitens des Eigentümers eine Aufklärungspflicht gegenüber dem Mieter, wenn Bleileitungen vorhanden sind.
Zusätzlich können Sie den Bleigehalt im Trinkwasser durch eine zugelassene Trinkwasseruntersuchungsstelle bestimmen lassen. Welche Untersuchungsstellen bei Ihnen in der Nähe sind, können Sie bei Ihrem Gesundheitsamt oder dem NLGA erfragen.

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Was ist zu tun bei erhöhten Bleimesswerten?
1. Wasser ablaufen lassen!
Sollten die Messwerte im Leitungswasser tatsächlich deutlich erhöht sein, empfiehlt es sich Wasser - welches länger in der Leitung stand - ablaufen zu lassen. Es ist bekannt, dass sich in der Leitung stehendes Wasser durch Lösungsvorgänge mit Metallen anreichert. Wasser sollte z.B. morgens solange aus dem Hahn ablaufen gelassen werden, bis es nicht mehr kälter wird. Eine anderweitige Wassernutzung in der Wohnung, z.B. durch Toilettennutzung, Duschen, Geschirrspülen etc., kann die notwendige Ablaufzeit deutlich verkürzen. Erst danach sollte Wasser zu Trinkzwecken entnommen werden.
Zur Zubereitung von Säuglings- und Kleinkindernahrung sollten Sie das Wasser allerdings besser nicht verwenden und stattdessen auf abgepacktes Wasser ausweichen, das den Aufdruck „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" trägt.
Im Zweifel wenden Sie sich an Ihr zuständiges Gesundheitsamt (Suche über Robert Koch-Institut).

2. Kontrolle der Hausinstallation
In manchen Fällen kann eine umfangreichere Wasseruntersuchung auf Blei erforderlich sein, um zu klären, ob Bleirohre in der Hausinstallation vorhanden sind. Denn auch andere Leitungsmaterialien, wie Messingarmaturen oder verzinkte Eisenrohre, können kleine Mengen an Blei abgeben. Geeignet für so eine umfangreiche Untersuchung ist die sogenannte gestaffelte Stagnationsbeprobung. Sie beruht auf einer Empfehlung des Umweltbundesamtes und umfasst dabei in der Regel drei Proben, die nach Ablaufenlassen und Stagnation des Wassers genommen werden. Solche Messungen werden von zugelassenen Trinkwasser-Untersuchungsstellen (Nds. Landesliste) durchgeführt.
Im Zweifel können Sie sich auch hier von Ihrem zuständigen Gesundheitsamt (Suche über Robert Koch-Institut) beraten lassen.
Kontrollieren Sie z.B. im Keller sichtbare Trinkwassereitungen. Bleirohre sind weich, grau, aufgrund der Biegsamkeit häufig in Bögen verlegt und lassen sich mit einer Münze einritzen. An der eingeritzten Stelle lässt sich das „blanke", glänzende Blei erkennen. Ein Installateur kann Ihnen bei der Kontrolle helfen.

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Was können Mieter tun, wenn Bleileitungen im Gebäude festgestellt wurden?
Informieren Sie Ihren Hausbesitzer und streben Sie mit ihm gemeinsam eine rasche Sanierung an. Wenn Sie eine Rechtsberatung benötigen z.B. hinsichtlich der Stichworte Mietminderung oder Kündigungsrecht, können Sie sich an einen Rechtsanwalt Ihrer Wahl oder z.B. an den Deutschen Mieterbund wenden.

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Was müssen Hauseigentümer tun, wenn sie Bleileitungen feststellen?
Abgabe von Trinkwasser, welches den Grenzwert der Trinkwasserverordnung für Blei überschreitet, ist verboten und ggf. sogar eine Straftat!
Vermieter müssen die Mieter informieren, wenn Leitungen aus dem Werkstoff Blei in der von Ihnen betriebenen Anlage vorhanden sind.
Zudem müssen Hauseigentümer ihre Hausinstallation auf Anordnung des Gesundheitsamts untersuchen lassen.
Installieren Sie neue Wasserleitungen aus unbedenklichen Materialien. Welches Material am Besten geeignet ist, erfahren Sie von Ihrem Installateur (Seite Ansprechpartner).

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Stimmt es, dass alte, verkalkte Blei-Leitungen durch eine Schutzschicht aus Kalk weniger Blei freisetzen und somit sicher sind?
Es ist zwar prinzipiell richtig, dass sich in Bleileitungen mit der Zeit eine Deckschicht aus schwerlöslichen Bleisalzen und Kalk bildet, jedoch ist der Grenzwert der Trinkwasserverordnung 2001 so niedrig, dass er trotz Deckschicht voraussichtlich nicht eingehalten werden kann.

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Gibt es noch andere Quellen für Blei im Trinkwasser außer Bleirohre?
Gelegentlich können auch andere Leitungsmaterialien, wie Messingarmaturen oder verzinkte Eisenrohre, geringe Mengen an Blei abgeben. Daher sollten Sie Wasser, das länger als vier Stunden in einer Leitung „stand" besser nicht zur Zubereitung von Speisen oder Getränken verwenden. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch im Ratgeber „Trink was" vom Umweltbundesamt.

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Müssen alle Bleileitungen entfernt werden?
Haus- und Wohnungseigentümer sind dafür verantwortlich, dass die gesetzlichen Grenzwerte innerhalb des Hauses eingehalten werden. Werden Bleileitungen in der Hausinstallation benutzt, müssen diese gegen Rohre aus anderen Materialien ausgetauscht werden, da sich der Bleigrenzwert sonst kaum einhalten lässt. Da bereits bei Sanierungen in der Vergangenheit Bleileitungsabschnitte teilweise durch andere Rohrmaterialien ersetzt worden sein können, ist eine sachkundige Beurteilung und Planung der Sanierungsmaßnahme erforderlich. Hierbei können Sie Installateure beraten (Seite Ansprechpartner).

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Nützen Filter gegen Blei?
Ja und nein: Es gibt zwar im weitesten Sinne „Filter" die theoretisch für eine begrenzte Zeit Blei aus dem Wasser herausholen können, wenn die aber voll sind, kommt es zum „Durchbruch": dann geben diese das gespeicherte Blei u.U. sogar schlagartig in höherer Konzentration ab, als es vorher vorhanden war!
Informationen zu diesem Thema finden Sie auch auf den Internetseiten der Verbraucherzentrale NRW oder der Stiftung Warentest.
Fazit: Filter am Wasserhahn erfüllen die Anforderungen der TrinkwV2001 an eine störungsfreie Bereitstellung von Trinkwasser nicht dauerhaft. Wenn Mängel bekannt sind, muss die Ursache abgestellt werden. Daher hilft dauerhaft nur ein Austausch der wasserführenden Leitungen.

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Hilft Abkochen von Trinkwasser gegen zu hohe Blei-Konzentrationen?
Nein, Abkochen hilft zwar gegen Bakterien und tötet diese ab. Es hilft aber nicht gegen erhöhte Konzentrationen von Metallen wie z.B. Blei.

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Lässt sich mit einem Teilaustausch der Bleileitungen, z.B. durch Kupferleitungen, die Bleibelastung des Trinkwassers senken?
Nein, der neue Grenzwert lässt sich nicht sicher einhalten, wenn das Trinkwasser vorher durch Bleirohre geflossen ist. Zusätzlich kann es unter Umständen sogar zu einem vermehrten Freisetzen von Blei kommen, wenn Edelmetalle wie z.B. Kupfer in Verbindung mit Bleirohren eingesetzt werden. Um zu erfahren welches die individuell Beste Lösung für eine Sanierung ist wenden Sie sich an Ihren Installateur (Seite Ansprechpartner).

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Reicht es aus erstmal die Bleileitungen zur Küche auszutauschen und später irgendwann die, die zum Badezimmer führen? Schließlich wird das Wasser ja aus der Dusche nicht getrunken.
Es ist richtig, dass auf diese Weise die Aufnahme von Blei gesenkt werden kann, aber dennoch muss das Wasser im Badezimmer ebenso wie in der Küche Trinkwasserqualität haben. Nach der Trinkwasserverordnung ist „Trinkwasser" alles Wasser, das zum Trinken, zum Kochen, zur Zubereitung von Speisen und Getränken aber ausdrücklich auch zur Körperpflege und -reinigung und bestimmt ist.

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Welche Materialien sind geeignet um die Bleileitungen zu ersetzen?
Die verwendeten Werkstoffe in der Hausinstallation haben großen Einfluss auf die Wasserqualität. Bei der Auswahl der Werkstoffe ist auch die am Ort vorhandene Trinkwasserzusammensetzung zu berücksichtigen. Planer oder qualifizierte Installationsunternehmen beraten bei der Auswahl des besten und zugleich für den Anwendungsfall kostengünstigsten Werkstoffes. So ist sichergestellt, dass Trinkwasserinstallationen und speziell die verwendeten Geräte, Armaturen und Werkstoffe den technischen Regelwerken und den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entsprechen. Um zu erfahren welches die individuell Beste Lösung für eine Sanierung ist wenden Sie sich an Ihren Installateur (Seite Ansprechpartner).

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Wer darf die Sanierung der Trinkwasserleitungen vornehmen?
Die „Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV)" schreibt vor, dass ausschließlich dafür zugelassene Installateur- und Heizungsbauerbetriebe an Hausinstallationen arbeiten dürfen - nicht die Nutzer selbst! Fachbetriebe sind bei den Wasserversorgungsunternehmen als Vertragsinstallationsunternehmen (VIU) eingetragen. Sie können sich auch an den Fachverband Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Klempnertechnik (FVSHK) wenden.

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Kann der Vermieter die Kosten der Sanierung auf den Mieter umlegen?
Werden Bleileitungen infolge einer Grenzwertüberschreitung ausgetauscht handelt es sich um einen Mangel der Mietsache und der Hauseigentümer muss die Kosten selbst übernehmen. Weitere Informationen hierzu finden Sie z.B. auf den Internetseiten des Deutschen Mieterbundes.

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Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit der Austausch von Bleileitungen vom Land gefördert werden kann und in welcher Höhe wird gefördert?
Der Austausch von Bleileitungen in der Trinkwasserinstallation kann im Zusammenhang mit Modernisierungsmaßnahmen nach § 2 Abs.1 des Niedersächsischen Wohnraumfördergesetzes in Form von anfänglich zinsfreien Darlehen gefördert werden. Im aktuellen Wohnraumförderprogramm fallen darunter bei selbstgenutztem Wohneigentum Maßnahmen der energetischen und/oder altersgerechten Modernisierung von Gebäuden, die bis zum 01.01.1995 fertig gestellt worden sind. Die Modernisierungsförderung beträgt bis zu 40 v. H. der durch die Maßnahme insgesamt verursachten Kosten, bei mindestens 10.000 € und maximal 75.000 € Modernisierungskosten. Im Rahmen energetischer Modernisierung von Mietwohnungen bzw. der Modernisierung von Mietwohnungen in städtebaulichen Sanierungsgebieten können auch allgemeine Modernisierungsmaßnahmen u. a. zur Verbesserung der Wasserversorgung gefördert werden. Die Gesamtförderung beträgt auch hier bis zu 40 v. H. der durch die Maßnahme insgesamt verursachten Kosten, höchstens jedoch der Kosten eines vergleichbaren Neubaus. Die Wohnraumförderung des Landes wird über die Investitions- und Förderbank Niedersachsen - NBank abgewickelt.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ermöglicht die Förderung des Austauschs von Bleileitungen in Form von Darlehen im Zusammenhang mit Modernisierungs-, Instandsetzungs- und Umbaukosten bei Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum im Rahmen des KfW-Wohneigentumsprogramms Nr. 124.

(Quelle: Antwort der Landesregierung auf die mündliche Anfrage der CDU Nr. 51, Drucksache 17/500

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Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Jessica Laß

Nds. Landesgesundheitsamt
Wasserhygiene
Roesebeckstr. 4-6
30449 Hannover
Tel: 0511-4505-0

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