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16. Göttinger Forum - Rückblick

Krankenhaus- und Kommunalhygiene für den öffentlichen Gesundheitsdienst


Am 30. November und 1. Dezember 2017 fand zum 16. Mal das Göttinger Forum im Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie statt. Die Veranstaltung ist eine etablierte Fortbildung für den öffentlichen Gesundheitsdienst und zählte in diesem Jahr ca. 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Göttinger Forum wird vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Krankenhaushygiene Oldenburg ausgerichtet. Mit seinem breiten Themenspektrum ist das Göttinger Forum auch über die Grenzen Niedersachsens hinaus bekannt, so dass erneut viele Teilnehmer insbesondere aus den an Niedersachsen angrenzenden Bundesländern vertreten waren.

Hinsichtlich der Programmgestaltung ist das Anliegen des Göttinger Forums, aktuelle Themen der Krankenhaus- und Kommunalhygiene aufzugreifen um die jeweils drängenden Fragestellungen zu diskutieren und „chronische" Problemfelder in ausgewählten Schwerpunkten tiefer zu beleuchten.

Programm Göttinger Forum  

Dr. med. Dagmar Ziehm (Niedersächsisches Landesgesundheitsamt) erläuterte in ihrem Vortrag die ARE-Surveillance in Niedersachsen und präsentierte eine Auswertung der Daten (Krankenstand in Kindertageseinrichtungen, virologische Untersuchungen von Patientenproben aus Arztpraxen) über die vergangenen Jahre. Im zweiten Teil des Vortrags stellte sie die in Zusammenarbeit mit Sachsen-Anhalt erhoben Daten zur Impfeffektivität vor.

Zoonoseerreger sind in den vergangenen Jahren immer wieder aufgetreten, zuletzt mit der Vogelgrippe H5N8 im Winter 2016/2017. Prof. Dr. Thomas Mettenleiter (Präsident des FLI) zeigte anhand von Beispielen in seinem Vortrag auf, wie gefährlich diese oft hochpathogenen Erreger einerseits für die Nutztierhaltung sind, aber wie schnell und wenig prognostizierbar diese Erreger auch zum Gesundheitsrisiko für den Menschen werden können.

Das Thema Antibiotikaresistenz gehört zu den wichtigsten Themen unserer Zeit und steht politisch sehr hoch auf der Agenda. Prof. Dr. med. Bernd Salzberger (Universitätsklinikum Regenburg) stellte in seinem Vortrag dar, wie Antibiotic Stewardship zu einer angemessenen Verwendung von Antibiotika beitragen kann, um insbesondere der zunehmenden Verschreibung von Breitband-Antibiotika entgegenzuwirken.

Zwei Vorträge waren dem Themenbereich Wasser gewidmet. Trifluoracetat stand im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. med. Roland Suchenwirth (Niedersächsisches Landesgesundheitsamt). Er zeigte die Problematik auf, die sich bei der gesundheitlichen Bewertung eines Stoffes aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Risikobewertung und des Risikomanagements ergibt, insbesondere mit Blick auf die Risikokommunikation. Trinkwasser wird in Niedersachsen überwiegend aus Grundwasser gewonnen. Am Beispiel von Nitrat erläuterte Godehard Hennies (Wasserverbandstag e.V.) welcher Zeitraum vergeht, bis sich über die Oberfläche eingetragene Stoffe im Grundwasser sammeln und dass ein proaktives Handeln unabdingbar ist, um die Qualität des Grundwassers auch in den nächsten Jahrzehnten zu erhalten.

Nachdenklich stimmte der Vortrag von Dr. Simone Rousseau (Klinik Ernst von Bergmann, Bad Belzig) zur Hygiene in ambulant betreuten Wohngemeinschaften, deren Anzahl in den vergangenen Jahren fernab jeglicher Vorgaben und Kontrollmöglichkeiten deutlich zugenommen hat. Einerseits soll in diesen Einrichtungen der Charakter des Privaten gewahrt bleiben, andererseits ähneln einige Charakteristika und damit die Hygieneprobleme denen von Pflegeheimen (u. a. beim Auftreten Multiresistenter Erreger).PD Dr. Thorsten Birkholz (Universitätsklinikum Erlangen) stellte in seinem Vortrag dar, wie unterschiedlich Rettungsdienste mit dem Thema Hygiene umgehen. Deutlich wurde die Notwendigkeit eines einheitlichen Konzeptes, das einen erregerspezifisch angemessenen Umgang in den Mittelpunkt stellt.

Immer wieder ist es in der Vergangenheit zur Einschleppung exotischer Stechmücken-Arten nach Europa gekommen, oft verbunden mit dem Auftreten steckmücken-assoziierter Erkrankungen wie Westnil-Fieber oder Chikungunya. PD Dr. Helge Kampen (Friedrich-Löffler-Institut, FLI) gab in seinem Vortrag u. a. einen Überblick über die in Deutschland gefundenen Mückenarten und deren Überträgerpotential sowie die Aktivitäten des FLI.

Prof. Dr. med. Christian Drosten (Charité-Universitätsmedizin Berlin) stellte die einzelnen Verbundprojekte des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsnetzes Zoonotische Infektionskrankheiten vor und hob die Möglichkeit für den Öffentlichen Gesundheitsdienst hervor, eigene Fragestellungen in die Projekte einbringen zu können.

Dr. med. Wiebke Hellenbrand (Robert Koch-Institut) informierte in ihrem Vortrag zunächst über Daten zur Epidemiologie von Meningokokken in Deutschland differenziert nach Serotypen. Im zweiten Teil des Vortrags gab Sie einen umfassenden Überblick über den Stand der Bewertung zur möglichen Einführung einer Meningokokken B Routine-Impfung in Deutschland.

In zwei weiteren Vorträgen wurden Aspekte des Themas Antibiotikaresistenzen näher betrachtet. Dr. med. Rasmus Leistner (Charité-Universitätsmedizin Berlin) sprach über ESBL in Krankenhäusern. Auf Basis der Ergebnisse einer Patientenstudie an der Chartité beschrieb er die vorkommenden Raten von ESBL-Kolonisationen sowie Risikofaktoren für das Auftreten von ESBL-Infektionen. Der Antibiotikaeinsatz in der hausärztlichen Versorgung stand im Mittelpunkt des Vortrages von Dr. med. Florian Salm (Charité-Universitätsmedizin Berlin, seit 1.12. Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene Universität Freiburg). Er beschrieb das aktuelle Problem zunehmender Antibiotikaresistenzen sowie mögliche Ursachen und stellte Maßnahmen des RAI-Projektes vor, um einen rationalen Einsatz von Antibiotika in der hausärztlichen Versorgung zu fördern.

Nach den 30-minütigen Vorträgen standen jeweils 15 Minuten zur Diskussion zur Verfügung, die von den Teilnehmern für den fachlichen Diskurs, die Beleuchtung einzelner Schwerpunkte und die Präzisierung kontroverser Standpunkte wahrgenommen wurden. Die angeregten Diskussionen, die sich auch in den Pausen fortsetzten, zeigen das Interesse an den präsentierten Inhalten.

Auch im nächsten Jahr wird voraussichtlich Ende November zum 17. Mal das Göttinger Forum stattfinden. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

Manfred Eigen Saal des Max-Planck-Instituts Göttingen  
Zu der Veranstaltung im Manfred Eigen Saal des Max-Planck-Instituts Göttingen konnten 140 Teilnehmer/innen begrüßt werden.
Dr. med. Matthias Pulz (NLGA-Präsident, links) und der Präsident des Friedrich-Löffler-Instituts Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. Thomas C. Mettenleiter  
Dr. med. Matthias Pulz (NLGA-Präsident, links) und der Präsident des Friedrich-Löffler-Instituts Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. Thomas C. Mettenleiter, der die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen von Zoonosen im Rahmen von OneHealth vorstellte
PD Dr. med. Thorsten Birkholz (Universitätsklinikum Erlangen)  
PD Dr. med. Thorsten Birkholz (Universitätsklinikum Erlangen) referierte über Rationale Hygiene im Rettungsdienst.
Godehard Hennies (Wasserverbandstag e.V., links) und Dr. Roland Suchenwirth (NLGA).  
Godehard Hennies (Wasserverbandstag e.V., links) nach seinem Vortrag über Grundwasser als wichtigste Ressource für das Trinkwasser und Dr. Roland Suchenwirth (NLGA).
Dr. med. Rasmus Leistner (Charité-Universitätsmedizin Berlin, rechts) und Prof. Dr. med. Jörg Herrmann (Institut für Krankenhaushygiene Oldenburg).  
Dr. med. Rasmus Leistner (Charité-Universitätsmedizin Berlin, rechts), der zum Thema ESBL in Krankenhäusern referierte und Prof. Dr. med. Jörg Herrmann (Institut für Krankenhaushygiene Oldenburg).
Das Interesse an den Themen war groß, die 15-minütige Diskussionszeit zu jedem Vortrag wurde von den Teilnehmern ausgiebig genutzt.  
Das Interesse an den Themen war groß, die 15-minütige Diskussionszeit zu jedem Vortrag wurde von den Teilnehmern ausgiebig genutzt.
Göttinger Forum 2013

Tagungsort: Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

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