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Fragen und Antworten zu Affenpocken

Stand: 24.06.2022


Seit Mitte Mai 2022 werden vermehrt Fälle von Affenpocken in verschiedenen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland beobachtet, ohne dass dabei ein direkter Zusammenhang zu Reisen in zentral- oder westafrikanischen Ländern bestand. Hier finden Sie Fragen und Antworten zu diesem Thema.

Was ist der Unterschied zwischen Affenpocken und Menschenpocken?

Das Affenpockenvirus ist nicht mit dem humanen Pockenvirus (Variola-Virus) zu verwechseln. Dieses wurde durch Impfungen zurückgedrängt. 1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Pocken offiziell für ausgerottet. Das humane Pockenvirus wurde im Gegensatz zum Affenpockenvirus sehr viel leichter von Mensch zu Mensch übertragen, weshalb es immer wieder zu regionalen Erkrankungsausbrüchen kam. Humane Pockenviren konnten, je nach Stamm, in bis zu 30 Prozent der Fälle tödlich verlaufen. Da die humanen Pockenviren ausgerottet werden konnten, wird die Pockenimpfung seit 1983 nicht mehr routinemäßig eingesetzt.

Was sind Affenpocken?

Affenpocken lösen eine den Menschenpocken ähnliche Erkrankung aus. Sie geht einher mit einem Hautausschlag, der lokal begrenzt bleiben kann oder sich über den Körper ausdehnt und zum Teil an Windpocken erinnert. Es können Lymphdrüsenschwellungen und Fieber auftreten. Man unterscheidet zentralafrikanische Virusvarianten, die stärker krankmachend sind, von den milderen westafrikanischen Virusvarianten. Bei dem aktuellen Ausbruchgeschehen wurde bislang in allen Fällen die mildere westafrikanische Virusvariante nachgewiesen.

Wie häufig sind Affenpocken?

Affenpocken treten in Deutschland normalerweise nicht auf. Sie kommen häufiger in Zentral- und Westafrika vor, sind aber durch den Import infizierter Tiere auch zuvor schon in den USA und Europa aufgetreten. Seit Mitte Mai 2022 werden vermehrt Fälle in verschiedenen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland beobachtet, ohne dass dabei ein direkter Zusammenhang zu Reisen in zentral- oder westafrikanischen Ländern bestand. Die aktuell bekannt gewordenen Fälle sind überwiegend bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) hatten, aufgetreten.

Wie werden Affenpocken übertragen?

Affenpocken sind eine Zoonose, d.h. eine Erkrankung, die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden kann. Das Hauptreservoir für Affenpockenviren sind keine Affen, wie ursprünglich angenommen, sondern vermutlich Nagetiere wie Riesenhamsterratten oder Flughörnchen. Aber auch Affen und weitere Säugetiere können das Virus übertragen. Menschen können sich beim engen Kontakt mit infizierten Tieren anstecken. Ein klassischer Infektionsweg in Afrika ist das Verspeisen von “bushmeat”, d.h. selbst erlegten Tieren aus dem tropischen Regenwald.
In dem gegenwärtigen Affenpockenausbruch erfolgt eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch, insbesondere über einen sehr engen bzw. auch sexuellen Kontakt (z.B. zu den Hautveränderungen von Erkrankten oder durch Schmierinfektion über verunreinigte Gegenstände). Eine Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen, Spucken) ist bei engen Kontakten auch möglich. Auch eine Mutter-Kind-Übertragung bei der Geburt ist möglich. Eine Ansteckungsgefahr besteht während des gesamten Krankheitsverlaufs.

Wer ist besonders gefährdet?

Im aktuellen Ausbruchsgeschehen wird das Risiko für die Allgemeinbevölkerung als gering angesehen. Derzeit werden Erkrankungsfälle insbesondere (aber nicht ausschließlich) bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), diagnostiziert.

Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko?

Diese Frage kann nicht mit letzter Sicherheit beantwortet werden. Allerdings ist das Affenpockenvirus ist nicht so leicht übertragbar wie beispielsweise die Windpocken oder auch Influenza. Durch die Verwandtschaft zu anderen Pockenviren (Orthopoxviren) besteht mit diesen eine Kreuzimmunität. Das bedeutet, dass die körpereigene Abwehr gegen einen dieser Krankheitserreger auch zu einer Immunität gegen die anderen Erreger führt. Vermutlich sind Menschen, die gegen Pocken geimpft wurden, vor der Erkrankung geschützt oder erkranken nicht so schwer.

Wie verläuft die Krankheit?

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zu den ersten Erkrankungszeichen, wird mit etwa 12 Tagen angegeben, sie kann aber auch bis zu 21 Tage betragen. Als erstes Symptom tritt meistens Fieber auf, das am zweiten Tag 38.5 - 40.5°C betragen kann. Dazu kommen Allgemeinbeschwerden wie starke Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Halsschmerzen, Husten, Unwohlsein und manchmal Durchfall. Häufig treten Lymphknotenschwellungen am Hals, in der Achsel oder in der Leiste auf. Es können kleine Läsionen an den Schleimhäuten entstehen.
In Folge kommt es zu den für Affenpocken typischen Hautveränderungen, die sich von fleckigen Rötungen zu Knötchen, Bläschen und Krusten entwickeln. Die Hautveränderungen können auch in verschiedenen Entwicklungsstadien auftreten. Die Ansteckungsfähigkeit endet erst, wenn sämtliche Hauterscheinungen abgeheilt sind. Achtung: Auch die Krusten (Schorf) des Hautausschlages sind ansteckend!

Wie gefährlich ist die Krankheit?

In den meisten Fällen werden die Erkrankten wieder vollständig gesund. Soweit bekannt, ist es im aktuellen Affenpockenausbruch bisher nicht zu schweren Krankheitsverläufen gekommen. Schwere Verläufe können insbesondere bei immunsupprimierten Personen oder bei Personen mit anderen Grunderkrankungen auftreten. In Westafrika unter endemischer Situation werden auch schwere Erkrankungsverläufe beobachtet, und in 2 bis 10% der Fälle endet die Krankheit tödlich. In seltenen Fällen kann es zu einer Erblindung kommen. Nicht selten bleiben Narben an den Stellen der Hautveränderungen zurück.

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Ein Verdacht auf Affenpocken besteht bei Auftreten von Fieber und Lymphknotenschwellungen im Zusammenhang mit Hinweisen auf eine mögliche Exposition ergeben (z.B. Reisen in Risikogebiete, Kontakt zu Erkrankten). Typisch ist weiterhin der charakteristische Hautauschlag in Risikogruppen. Der Virusnachweis erfolgt in der Regel aus Bläschenflüssigkeit, Pustelinhalt, Krusten oder auch Tupfern von Hautläsionen. Als Untersuchungsmethoden kommen u.a. die PCR (Polymerasekettenreaktion) und die Elektronenmikroskopie zum Einsatz. Im Einzelfall kann ggf. auch eine Blutuntersuchung sinnvoll sein. Der Verdachtsfall wird dem zuständigen Gesundheitsamt und dem Robert Koch-Institut gemeldet.

Wie wird die Krankheit behandelt?

Die Behandlung beschränkt sich vor allem auf die Linderung der Symptome (Beschwerden) und auf die Vermeidung von zusätzlichen bakteriellen Entzündungen. Anfang 2022 wurde in der EU auch ein neu entwickeltes Arzneimittel (Tecovirimat) zur Behandlung der Affenpocken zugelassen, das aber zurzeit nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung steht.

Kann man sich zum Schutz gegen Affenpocken impfen lassen?

In der EU ist seit Anfang 2022 ein Impfstoff zugelassen, der modifiziertes Vacciniavirus Ankara (MVA) beinhaltet. Es soll sowohl vor Affenpocken also auch vor humanen Pockenviren schützen Auf diesen Impfstoff bezieht sich die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO). Die Impfung soll einen Schutz von bis zu 85 Prozent vor Affenpocken bieten.
Der Einsatz eines Impfstoffes der gegen die Menschenpocken entwickelt wurde, muss sehr genau überlegt werden, da es bei der Impfung auch zu Komplikationen kommen kann. Ein spezieller, nur gegen Affenpocken gerichteter Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung.

Wer sollte sich zum Schutz gegen Affenpocken impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch Institut empfiehlt eine Impfung zum Schutz vor Affenpocken mit Imvanex (MVA-Impfstoff) für Menschen, die engen körperlichen Kontakt mit Infizierten hatten und sich über verletzte Haut oder über Schleimhäute angesteckt haben könnten. Außerdem gilt die Empfehlung für medizinisches Personal nach ungeschütztem Kontakt zu Infizierten, bzw. infektiösem Material sowie Laborpersonal mit ungeschütztem Kontakt zu nichtinaktiviertem Affenpockenmaterial.
Weiterhin gilt die Impfempfehlung präventiv für Risikogruppen im aktuellen Ausbruchsgeschehen. Dazu zählen derzeit erwachsene Männer, die Sex mit Männern haben und häufig die Partner wechseln, sowie Mitarbeitende in Speziallaboratorien, die mit infektiösen Laborproben arbeiten, nach einer individuellen Risikobewertung. Zunächst steht der Impfstoff nur begrenzt zur Verfügung. Gegebenenfalls werden vordringliche Impfkriterien definiert.
Eine Impfung anderer Bevölkerungsgruppen wird von der STIKO derzeit als nicht notwendig eingeschätzt und nicht empfohlen.
Eine Impfung muss grundsätzlich individuell abgewogen werden. Hier spielen die Kontaktart zum Infizierten und der eigene Gesundheitszustand sowie die individuellen Risiken für mögliche Impfnebenwirkungen eine Rolle.

Kann man sich gegen Affenpocken schützen?

Medikamente, die man vorsorglich einnehmen könnte, um sich vor einer Infektion zu schützen, gibt es derzeit nicht. Wie bei vielen anderen Infektionskrankheiten tragen die folgenden Basismaßnahmen auch zu einem Schutz vor einer Ansteckung mit Affenpocken bei: Abstand halten, strikte Händehygiene und bei einem wissentlich engen Kontakt zu einer erkrankten Person (face-to-face) das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (wenn möglich FFP2-Maske für den Eigenschutz). Die erkrankte Person sollte, wenn möglich, auch einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn andere Personen in der Nähe sind. Die Pusteln sollten soweit möglich abgedeckt werden, um Schmierinfektionen zu verhindern.

Was wird derzeit unternommen?

An Affenpocken erkrankte Personen werden auf speziellen Infektionsstationen behandelt. Bei leichterem Krankheitsverlauf kann kommt auch eine Absonderung zu Hause in Frage. Bei Personen, bei denen der Verdacht auf eine Ansteckung besteht (Kontaktpersonen), kann das lokal zuständige Gesundheitsamt eine vorübergehende Absonderung (Quarantäne) anordnen. Derzeit werden die Fachöffentlichkeit und die Bürgerinnen und Bürger für das Thema Affenpocken in den Medien und Fachkreisen sensibilisiert, so dass neue Erkrankungen möglichst schnell entdeckt und untersucht werden können, um weitere Übertragungen schnellstmöglich zu unterbrechen.

Was muss ich tun, wenn ich vermute, Kontakt zu einer an Affenpocken erkrankten Person gehabt zu haben?

Sollten Sie mit einer an Affenpocken erkrankten Person in den letzten 3 Wochen engen Kontakt gehabt haben, gehen Sie bitte nicht mehr aus dem Haus und melden Sie sich bitte umgehend bei Ihrem lokal zuständigen Gesundheitsamt. Vorsorglich sollten Sie sich in den 3 Wochen nach dem letzten Kontakt zu der erkrankten Person genau beobachten, messen Sie täglich Fieber und seien Sie achtsam bei neu auftretenden Hautveränderungen. Die Mitarbeiter*innen des Gesundheitsamtes werden gemeinsam mit Ihnen klären, ob tatsächlich eine Ansteckungsgefahr bestanden hat und wie Sie sich weiterhin zu verhalten haben.

Affenpocken

Artikel-Informationen

erstellt am:
24.05.2022
zuletzt aktualisiert am:
24.06.2022

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