Antibiotikaresistenz | Nds. Landesgesundheitsamt
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Antibiotikaresistenz

Hier finden Sie Informationen rund um das Thema Antibiotikaresistenz.

Was sind Antibiotika?
Wie wirken Antibiotika?
Wie entstehen Resistenzen?
Wie werden resistente Bakterien behandelt?
Wie verbreiten sich resistente Bakterien?
Was kann man dagegen tun?

Strategien, Konzepte und Initiativen
Systeme zur Datenerfassung
Gremien
Ausgewählte gesetzliche Regelungen


Was sind Antibiotika?
Antibiotika sind sehr wirkungsvolle Medikamente zur Behandlung von Infektionen, die durch Bakterien verursacht werden. Mit der Entdeckung der Antibiotika wurden bis dahin lebensbedrohliche Infektionen heilbar.

Wie wirken Antibiotika?
Antibiotika wirken auf Bakterien, indem sie diese entweder abtöten oder ihre Vermehrung verhindern. Davon sind nicht nur krank machende Bakterien betroffen, sondern auch die Vielzahl von Bakterien, die natürlicherweise unsere Haut, die Schleimhäute und den Darm besiedeln. Die Empfindlichkeit gegenüber den einzelnen Antibiotika hängt von der Bakterienart ab und ist nicht für alle Bakterientypen gleich.

Wie entstehen Resistenzen?
Fast alle Bakterien können aber durch Veränderungen in den Erbinformationen zusätzliche Widerstandskräfte - Resistenzen - gegen Antibiotika erwerben. Eine Resistenz entsteht zunächst zufällig in einzelnen Bakterien. Unter dem Einfluss von Antibiotika werden nur die nicht gegen dieses Antibiotikum resistenten Bakterien abgetötet. Das bedeutet, dass jede Antibiotikagabe den resistenten Bakterien einen Vorteil gegenüber den nicht resistenten Bakterien verschafft. So kommt es mit jeder Antibiotikagabe zu einer Auslese von Bakterien mit der passenden Resistenz. Diese können sich dann ohne die Konkurrenz von nicht resistenten Bakterien leicht ausbreiten. Häufig richtet sich die Resistenz nicht nur gegen ein Antibiotikum, sondern gegen mehrere Antibiotika, meist gegen ganze Wirkstoffgruppen.

Wie werden resistente Bakterien behandelt?
Resistente Bakterien sind zwar nicht aggressiver als nicht resistente Bakterien, aber wenn es zu einer krank machenden Infektion mit einem resistenten Erreger kommt, helfen die gängigen Antibiotika nicht. Die Therapiemöglichkeiten können soweit eingeschränkt sein, dass nur noch sogenannte Reserveantibiotika eingesetzt werden können. Diese sind oft reich an Nebenwirkungen und erschweren somit eine Genesung oder führen sogar zu einer erhöhten Sterblichkeit. Außerdem steigen die Kosten für die Behandlung.

Wie verbreiten sich resistente Bakterien?
Bakterien werden innerhalb der belebten Umwelt vielfältig ausgetauscht, sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Tieren und Menschen. Eine Übertragung von Bakterien findet nicht nur durch direkten Kontakt sondern auch über gemeinsam benutzte Gegenstände statt. Auf diesem Weg werden auch resistente Bakterien ausgetauscht. Das bedeutet, dass der Einsatz von Antibiotika sich nicht nur auf den einzelnen Organismus und seine Bakterien auswirkt, sondern mittelbar die gesamte Population betrifft. Je mehr Antibiotika wir einsetzen, desto mehr begünstigen wir die Vermehrung und Ausbreitung von resistenten Keimen in der gesamten Population.

Was kann man gegen die Ausbreitung resistenter Bakterien tun?
Um die Ausbreitung resistenter Bakterien zu stoppen gibt es zwei wichtige Handlungsfelder:

  • Die Anwendung von Antibiotika auf das Nötigste beschränken, um die Auslese und Ausbreitung resistenter Bakterien zu vermeiden;
  • Die Hygiene verbessern, um in den Einrichtungen, in denen besonders viele resistente Bakterien vorkommen, eine Weitergabe von Mensch zu Mensch zu verhindern.

Zahlreiche Institutionen haben sich in den vergangen Jahren der Problematik angenommen. Sie haben Strategien und Konzepte entwickelt, Erfassungssysteme und Initiativen ins Leben gerufen. Außerdem gibt es gesetzliche Vorschriften zur Dokumentation.


Strategien, Konzepte und Initiativen (in Niedersachsen und bundesweit)

  • Gemeinsame niedersächsische Strategie gegen Antibiotikaresistenz
    Gemeinsame ressortübergreifende Strategie der Niedersächsischen Landesregierung, die Anfang März 2016 vorgestellt wurde.
  • Ratgeber Antibiotikatherapie
    Der Ratgeber "Rationale orale Antibiotikatherapie für Erwachsene im niedergelassenen Bereich" wurde vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt herausgegeben. Er richtet sich an Ärztinnen und Ärzte und soll eine Entscheidungshilfe für oder gegen den Antibiotikaeinsatz und bei der Auswahl des entsprechenden Antibiotikums geben.
  • Regionale MRE-Netzwerke in Niedersachsen
    An den Netzwerken unter Moderation der Gesundheitsämter nehmen Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen, Laboratorien, Alten- und Pflegeeinrichtungen und weitere Akteure des Gesundheitswesens teil um gemeinsam effektive Maßnahmen zur Reduzierung der Krankheitslast durch MRSA und andere Keime zu etablieren.
  • EurHealth-1Health
    Oberstes Ziel des Projektes EurHealth-1health im Grenzraum Deutschland-Niederlande ist es, lebensgefährliche Infektionen beim Menschen zu vermeiden. Mit einem integrierten One-Health-Konzept wird dazu die gesamte Entstehungskette der Antibiotikaresistenz betrachtet. Neben Vertretern der Humanmedizin
    sind auch Organisationen aus dem Veterinär- und Umweltsektor beteiligt. Das Projekt wird im Rahmen von INTERREG VA gefördert und wurde am 1. April 2016 mit einer Laufzeit von vier Jahr gestartet. Das NLGA ist hierbei Regionalkoordinator für die Netzwerkarbeit und die Qualitätssiegel in der Ems-Dollart-
    Region. Zusätzlich ist das NLGA als Kooperationspartner am Aufbau von ABS (Antibiotic Stewardship)-Kursen und in sektorübergreifenden Studien beteiligt.
  • Strategie zur Erkennung, Prävention und Kontrolle von Antibiotikaresistenzen (DART)
    Maßnahmenkatalog für Deutschland der im November 2008 von der Bundesregierung vorgestellt wurde und vor allem die multidisziplinäre Zusammenarbeit betont. Mit DART 2020, von der Bundesregierung im Mai 2015 beschlossen, wurde dieses Konzept weiterentwickelt und ausgebaut.
  • Antibiotik-Stewardship (ABS)
    Meint eine rationale Verordnung von Antibiotika. Die Auswahl, Dosierung, Applikation und Anwendungsdauer von Antibiotika soll das beste klinische Behandlungsergebnis unter Beachtung einer minimalen Toxizität für den Patienten erreichen. Zahlreiche Krankenhäuser haben in ihren Kliniken ABS-Teams etabliert, die interdisziplinär (ärztliches Personal, Apotheker, Mikrobiologen) und abteilungsübergreifend arbeiten.
  • Aktion saubere Hände (ASH)
    Deutschlandweite Kampagne zur Verbesserung der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen. Sie wurde am 1. Januar 2008, mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit von verschiedenen Institutionen ins Leben gerufen.

Systeme zur Datenerfassung

Gremien
Ausgewählte gesetzliche Regelungen
  • Niedersächsische Verordnung über die Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen (NMedHygVO) §9 (2)
    Demgemäß ist die Leitung eines Krankenhauses oder einer Einrichtung für ambulantes Operieren verpflichtet, nosokomiale (d. h. im Krankenhaus erworbene) Infektionen, Erreger mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen und den Verbrauch von Antibiotika mit fachlich anerkannten standardisierten Verfahren zu erfassen und unter Berücksichtigung veröffentlichter Vergleichsdaten zu bewerten.
  • Infektionsschutzgesetz § 7
    Verordnung zur Anpassung der Meldepflicht nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes an die epidemische Lage (Labormeldepflicht-Anpassungsverordnung - LabMeldAnpV, §1)Verordnung zur Anpassung der Meldepflichten nach dem Infektionsschutzgesetz an die epidemische Lage (IfSG-Meldepflicht-Anpassungsverordnung - IfSGMeldAnpV)Demgemäß sind labordiagnostische Nachweise von MRSA in Serum oder Liquor (die auf eine schwere Infektion hinweisen) vom Labor an das für den Einsender der Probe zuständige Gesundheitsamt zu melden.Außerdem sind Enterobacteriacae mit einer Carbapenem-Nichtempfindlichkeit oder bei Nachweis einer Carbapenemase-Determinante, mit Ausnahme der isolierten Nichtempfindlichkeit gegenüber Imipenem bei Proteus spp., Morganella spp., Providencia spp. und Serratia marcescens meldepflichtig (Labormeldepflicht). Die Meldepflicht gilt für Infektionen und Kolonisationen.Ebenso sind Acinetobacter spp. mit einer Carbapenem-Nichtempfindlichkeit oder bei Nachweis einer Carbapenemase-Determinante meldepflichtig (Labormeldepflicht). Auch hier gilt die Meldepflicht gilt für Infektionen und Kolonisationen.
  • Infektionsschutzgesetz §23 (4)
    Verpflichtet die Leiter von Krankenhäusern und von Einrichtungen für ambulantes Operieren, nosokomiale Infektionen und das Auftreten von Krankheitserregern mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen fortlaufend in einer gesonderten Niederschrift aufzuzeichnen, zu bewertet und sachgerechte Schlussfolgerungen hinsichtlich erforderlicher Präventionsmaßnahmen zu ziehen. Die erforderlichen Präventionsmaßnahmen müssen dem Personal mitgeteilt und umgesetzt werden. Seit 2011 müssen außerdem Daten zu Art und Umfang des Antibiotika-Verbrauchs fortlaufend in zusammengefasster Form aufgezeichnet, unter Berücksichtigung der lokalen Resistenzsituation bewertet und sachgerechte Schlussfolgerungen hinsichtlich des Einsatzes von Antibiotika gezogen werden. Auch hier müssen die erforderlichen Anpassungen des Antibiotikaeinsatzes dem Personal mitgeteilt und umgesetzt werden.

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