Logo Niedersächsisches Landesgesundheitsamt klar

MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus)

Staphylococcus (S.) aureus ist ein häufig vorkommendes Bakterium der menschlichen Haut und Schleimhaut. 20-30 % aller Menschen sind dauerhaft mit S. aureus besiedelt, vorwiegend im Nasen- und Rachenraum [1]. Diese Besiedlung auf der Körperoberfläche führt zunächst nicht zu einer Erkrankung. Unter bestimmen Umständen kann S. aureus aber auch Infektionen verursachen. Im Alltag tritt S. aureus vor allem im Zusammenhang mit Abszessen, Nagelwalleiterungen oder auch Lebensmittelvergiftungen in Erscheinung. Im Krankenhaus und anderen medizinischen Bereichen sind es Maßnahmen wie Operationen, Beatmungen oder Infusionstherapien welche mit der Gefahr einer S. aureus-Infektion in Form von Wund-, Harnwegs- oder Atemwegsinfektion sowie Blutvergiftungen verbunden sind. Gefährdet sind hier mehrfach erkrankte und abwehrgeschwächte Menschen.

MRSA sind Methicillin resistente S. aureus, bei denen Methicillin bzw. das heute verwendete Oxacillin und Flucloxacillin nicht wirksam sind.

Man kann die MRSA drei unterschiedlichen Gruppen zuordnen.

  1. Besiedlungen und Erkrankungen mit Hospital-assoziierten MRSA (ha-MRSA) treten vor allem bei Personen auf, die in Krankenhäusern behandelt oder in Pflegeeinrichtungen betreut werden. Risikofaktoren sind u. a. Antibiotikabehandlungen, invasive medizinische Eingriffe und schwere Grunderkrankungen.
  2. Besiedlungen und Erkrankungen mit Community-assoziierten MRSA (ca-MRSA) stehen nicht mit Krankenhausbehandlungen in Zusammenhang. Sie treten vielmehr bei Personen auf, die engen Körperkontakt mit anderen Personen haben, z. B. in Gemeinschaftsunterkünften oder bei Kontaktsportarten. Daher sind diese Patienten häufig jünger als solche mit ha-MRSA [2].
  3. Livestock-assoziierte MRSA (la-MRSA) bezeichnen solche MRSA, die auch bei kommerziell gehaltenen Nutztieren nachgewiesen werden können. Sie treten als Besiedlung und ambulant erworbene Infektion insbesondere bei Personen in der Nutztierhaltung mit direktem Tierkontakt auf.

Das Antibiotika-Resistenz-Monitoring in Niedersachsen (ARMIN) verzeichnete für Niedersachsen bis vor einigen Jahren eine Zunahme von Infektionen mit MRSA unter den S. aureus, seit 2011 zeigt sich aber ein leichter Rückgang. Auch Vergleichszahlen für ganz Deutschland aus der Antibiotika Resistenz Surveillance des Robert Koch-In­stituts (ARS) und der Resistenzstudie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft zeigen diesen Trend.
Eine ausführliche Darstellung der Situation von MRSA in Niedersachsen basierend auf den ARMIN-Daten bietet das ARMIN-Info „MRSA in Niedersachsen".

Seit dem 1. Juli 2009 besteht gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) eine Meldepflicht für labordiagnostische Nachweise von MRSA in Serum oder Liquor (Gehirnflüssigkeit). Solche Nachweise sind Indikatoren für schwere Infektionen. Außerdem ist das gehäufte Auftreten nosokomialer Infektionen, bei denen ein epidemiologischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird, unverzüglich dem Gesundheitsamt als Ausbruch zu melden.

Besiedlung mit MRSA: Risiko und Sanierung

Anhand der folgenden Abschätzung wird verdeutlicht, wie häufig eine Besiedlung mit MRSA in der Bevölkerung vor­kommt:

Ca. 20 - 30 % aller Menschen sind mit S. aureus besiedelt [1]. Der Anteil der MRSA an allen S. aureus beträgt 10 - 20 % (Daten aus ARMIN). Rechnet man diese Daten auf die Bevöl­kerung hoch, wären von 100 Personen demnach 2 - 6 mit MRSA besiedelt. Andere Studien zeigen, dass von Patienten, die zur Aufnahme in Krankenhäuser kommen, etwa 1 - 3 von 100 Personen unbemerkt mit MRSA besiedelt sind [1]. Der Anteil von la-MRSA an allen MRSA variiert regional zwi­schen 5 und 20 % (Daten aus ARMIN). Unter der Annahme der jeweils höchsten Zahl ergibt sich, dass maximal 1 von 100 Personen in der allgemeinen Bevölkerung mit la-MRSA besiedelt ist.

Liegt eine Besiedlung mit MRSA vor, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, die Person mit Hilfe von antibiotischen bzw. antiseptischen Substanzen von MRSA zu befreien. Dieser Vorgang wird Sanierung, Dekontamination oder Eradikation genannt. Die Durchführung ist vor allem dann sinnvoll, wenn die betroffene Person mit häufigen Klinikaufenthalten rechnen muss. Es ist ratsam, zusammen mit dem Hausarzt, dem Betroffenen und ggf. auch mit den Pflegenden abzuklären, ob eine solche Maßnahme ergriffen wird und wie sich die Durchführung gestalten soll.
Weiterführende Informationen enthält die Informationsschrift „MRSA-Sanierung im niedergelassenen Bereich", welche auf der Internetseite www.mre-netzwerke.niedersachsen.de verfügbar ist.

MRSA in Einrichtungen des Gesundheitswesens

MRSA ist vor allem in Krankenhäusern ein großes Problem. Dort halten sich viele Personen auf, die einerseits häufig mit MRSA besie­delt und andererseits sehr empfänglich für MRSA-Übertragungen sind. Hinzu kommt, dass die in den Kliniken durchgeführten medizini­schen bzw. pflegerischen Maßnahmen mit besonderen Übertragungsmöglichkeiten verbunden sind. Zur Begrenzung dieses Problems sind bei Patienten mit MRSA in Krankenhäusern über die Standardhygiene hinaus gehende Maßnahmen notwendig. Hierzu gehören z. B. eine räumliche Isolierung und die Verwendung von Schutzkleidung.

Um effektive Maßnahmen zur Reduzierung der Krankheitslast durch MRSA und andere Keime zu etablieren, haben sich Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen, Laboratorien, Gesundheitsämter, Alten- und Pflegeeinrichtungen und weitere Akteure des Gesundheitswesens zu so genannten MRSA- oder neuerdings MRE-Netzwerken zusammengeschlossen. Eine Übersicht über die Netzwerke in Niedersachsen bietet die Internetseite http://www.mre-netzwerke.niedersachsen.de
Dort stehen Ihnen Informationsschriften und auch Schulungsdateien zur Verfügung. Sie sind auf die Belange der unterschiedlichen Bereiche wie der stationären und ambulanten Pflege, Behindertentageseinrichtungen und Rehabilitationseinrichtungen ausgelegt.

Ein grenzüberschreitendes Netzwerk für Patientensicherheit und Infektionsschutz in der Region Ems-Dollart (Niedersachsen - Niederlande) war das Eursafety Health-Net. Im Rahmen dieses Projekts wurden u. a. MRSA-Qualitätssiegel etabliert, d. h. nach außen sichtbare Zeichen, dass ein Teilnehmer (v. a. Krankenhäuser und Altenpflegeheime) festgelegte Kriterien im Bereich Infektionsprävention umsetzt.

Literatur

  1. Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus Stämmen (MRSA) in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen: Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl. 2014;57(6):696-732.
  2. Eigenschaften, Häufigkeit und Verbreitung von MRSA in Deutschland - Update 2011/2012. Epidemiologisches Bulletin 21/2013
zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln