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Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) informiert seit September 2012 über ein neuartiges Coronavirus. Anfangs wurde das Virus „novel Coronavirus" (nCoV) genannt, mittlerweile trägt es den Namen „Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus" (MERS-CoV). Das tierische Reservoir dieses seltenen Coronavirus ist bisher noch nicht eindeutig bekannt. Dromedare könnten einer Studie zufolge (Briese et al. 2014. mBio 5(3):e01146-14. doi:10.1128/mBio.01146-14.) Träger des neuen MERS-CoV sein, da im Blut dieser Tiere Antikörper und inzwischen auch das Virus selbst bei Dromedaren nachgewiesen werden konnten. Molekularbiologische Analysen zeigen auch eine enge Verwandtschaft zu einigen Fledermaus-Coronaviren. Ebenso besteht eine Verwandtschaft im weiteren Sinne zum SARS-Coronavirus, welches im Jahr 2003 schwere Atemwegserkrankungen beim Menschen auslöste.

Seit April 2012 wurden weltweit über rund 1800 laborbestätigte Fälle menschlicher Infektionen mit MERS-CoV berichtet. Die Infektion ist bei ca. 40 % dieser Fälle tödlich verlaufen. Alle Erkrankten haben Bezug zur Arabischen Halbinsel und zu angrenzenden Ländern (Jordanien, Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Kuwait, Jemen).

Aufgrund einer medizinischen Behandlung von Patienten aus dem arabischen Raum in europäischen Krankenhäusern bzw. bei Reiserückkehrern aus den o. g. Ländern sind einzelne Fälle auch in Nordamerika sowie in europäischen Ländern, darunter auch in Deutschland bzw. in Niedersachsen, bekannt geworden. In einzelnen Fällen haben sich auch Familienangehörige mit engem Kontakt zum Erkrankten bei der häuslichen Krankenpflege ohne vorherige Reise in den arabischen Raum angesteckt. Bei den bisher nach Deutschland importierten Fällen haben sich keine Hinweise auf Sekundärinfektionen ergeben.

Ende Mai 2015 wurde aus Südkorea ein MERS-CoV Ausbruch berichtet, der auf einen Reiserückkehrer zurückgeht, der zuvor die arabische Halbinsel bereist hatte. Die Diagnose MERS-CoV wurde zunächst nicht differentialdiagnostisch in Betracht gezogen, sodass unter medizinischem Personal, Familienangehörigen, Mitpatienten und deren Angehörigen mehr als 180 weitere Erkrankungen und auch Todesfälle aufgetreten sind. Eine der in Südkorea zuvor identifizierten Kontaktpersonen reiste weiter nach China, wurde dort positiv getestet und isoliert. Dieser Ausbruch ist der bislang größte außerhalb der arabischen Halbinsel.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es weiterhin keine Hinweise für eine kontinuierliche Mensch-zu-Mensch-Übertragung.

Die klinische Symptomatik manifestiert sich als akute, schwer verlaufende, respiratorische Erkrankung mit Kurzatmigkeit und Lungenentzündung (mit oder ohne Fieber und mit oder ohne Husten). In einigen Fällen wurde auch eine Nierenbeteiligung mit Nierenversagen beobachtet.

Bei schweren Pneumonien und Atemnotsyndrom sollte generell immer eine labordiagnostische Abklärung auf MERS-CoV erfolgen, insbesondere dann, wenn sich der Patient / Patientin in den 14 Tagen vor Erkrankungsbeginn in einem Land der arabischen Halbinsel oder angrenzenden Ländern aufgehalten bzw. einen engen persönlichen Kontakt zu einem MERS-CoV-Erkrankten hatte. Der Virusnachweis ist aus Sputum, Bronchiallavage, Nasopharynxaspirat oder Rachenspülwasser mittels molekularbiologischer Methoden (PCR) problemlos möglich. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) hat die PCR nach der Vorschrift von Corman et al.,Euro Surveill. 2012 Dec 6;17(49) etabliert und bietet dadurch eine Diagnostik für MERS-CoV an. Zusätzlich können differentialdiagnostisch auch weitere respiratorische virale Erreger untersucht werden.

Stand: September 2016

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