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Merkblatt Enteroviren

Diese Informationen richten sich primär an Ärztinnen/Ärzte und medizinisches Fachpersonal.

Erreger
Humane Enteroviren sind kleine RNA-Viren, die zur Familie der Picornaviridae gehören. Die insgesamt 64 Serotypen unterteilen sich in:

  • Coxsackieviren mit den Untergruppen A (CAV 1-22 und 24) und B (CBV 1-6)
  • Echoviren (ECV 1-7, 9,11-27, 29-33)
  • Enteroviren (ENV 68-71, 73)
  • Polioviren (PV) Typ 1-3 (s. NLGA-Merkblatt Poliomyelitis)

Epidemiologie
In gemäßigten Klimazonen tritt eine saisonale Häufung der Enterovirusinfektionen im Spätsommer und Herbst auf. Enteroviren werden fäkal-oral übertragen, Tröpfcheninfektionen sind ebenfalls möglich. Die häufigste Übertragung erfolgt direkt von Mensch zu Mensch oder durch mit Stuhl oder Speichel kontaminierte Gegenstände oder Lebensmittel. Auch eine Übertragung durch Oberflächenwasser ist beschrieben. Die Ausscheidung des Virus erfolgt in der akuten Krankheitsphase. Es kann bis zu mehreren Wochen im Stuhl nachweisbar sein.
Die mittlere Inkubationszeit beträgt für die meisten Erkrankungen 3-5 (2-35) Tage.

Klinik
Da Enteroviren zu 90-95% asymptomatische Infektionen verursachen, werden sie im Allgemeinen als weniger wichtige Erreger eingestuft, die im Vergleich zu anderen scheinbar schwerwiegenderen Virusinfektionen keiner weiteren intensivierten Untersuchung bedürfen. Jedoch sind Enteroviren Erreger einer Reihe klinisch relevanter Erkrankungen. Dazu gehören u.a.: Aseptische Meningitis, Herpangina, Hand-Fuß-Mund-Krankheit, Hämorrhagische Konjunktivitis, Erkrankungen der Atemwege (Sommergrippe, Pharyngitis, Pneumonie), Erkrankungen innerer Organe (Perikarditis, Myokarditis, Pleurodynie). Darüber hinaus gehören die Polioviren, die Auslöser der Kinderlähmung, ebenfalls zur Familie der Enteroviren (s. gesondertes NLGA-Merkblatt Poliomyelitis).
Obwohl es keine strenge Korrelation von Enterovirusserotyp zu einem spezifischen Erkrankungsbild gibt, werden Echoviren besonders häufig bei aseptischen Meningitiden nachgewiesen. Myo-und Perikarditis werden vorwiegend von Coxsackie-B-Viren verursacht.
Mittlerweile gibt es auch Hinweise, dass Enteroviren chronisch Erkrankungen wie dilatative Kardiomyopathie, Diabetes mellitus Typ I oder das chronische Fatigue Syndrom verursachen bzw. zu deren Entstehung beitragen können.
Insgesamt verursachen Enteroviren ca. 80% aller aseptischen Meningitiden/Enzephalitiden.

Diagnostik
Aufgrund der Vielfalt der möglichen durch Enteroviren verursachten Erkrankungen, die aber auch von anderen Erregern verursacht werden können, reicht die rein klinische Diagnosestellung nicht aus. Der direkte Erregernachweis erfolgt mittels Virusanzucht in Zellkultur mit anschließender Typisierung (Neutralisationstest) bzw. Virusgenomnachweis mit molekularen Methoden (Nukleinsäureamplifikationstechniken, wie z. B. RT-PCR) aus Stuhl, Liquor oder Rachenspülwasser.

Therapie
Die Therapie ist symptomatisch und richtet sich nach dem betroffenen Organsystem. Eine spezifische medikamentöse Therapie der Enterovirusinfektion ist z. Zt. nicht möglich.

Prophylaxe
Zu den wichtigsten Maßnahmen der Risikoreduktion gehören gründliches Händewaschen und ggf. -desinfektion (mit einem auf unbehüllte Viren wirksamen Mittel) vor jeder Zubereitung von Speisen (sorgfältige Lebensmittelhygiene), der Verzehr gekochter Speisen oder geschälten Obstes, die Verwendung von Einwegtaschentüchern sowie das Vermeiden größerer Menschenansammlungen (face-to-face contact).
Wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Erkrankungen durch Polioviren ist die Impfung. Für andere Enteroviren stehen keine Impfstoffe zur Verfügung.

Stand: April 2006, 1. Auflage

Dieses Merkblatt kann in der rechten Spalte auch als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Enteroviren
Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Konrad Beyrer

Nds. Landesgesundheitsamt
Roesebeckstr. 4-6
30449 Hannover
Tel: 0511-4505-0

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