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Hantavirus-Erkrankungen in Niedersachsen

Erreger

Hantaviren gehören zur Gattung Orthohantavirus der Familie der Hantaviridae mit inzwischen 36 identifizierten Spezies. In West-, Mittel- und Nordeuropa ist hauptsächlich das Puumala-Virus verbreitet, seltener die Spezies Dobrava-Belgrad. Jede Virus-Spezies scheint ausschließlich zu einem Reservoirwirt oder eng verwandten Wirt zu gehören, die überwiegend bestimmte regionale Verteilungsmuster aufweisen. Rötelmäuse stellen in Deutschland das Reservoir für das Puumala-Virus dar. Für das Dobrava-Belgrad-Virus sind es die verschiedenen Waldmaus-Arten wie die Brandmaus, Gelbhalsmaus und Schwarzmeerwaldmaus. Ein gehäuftes Auftreten von Hantavirus-Infektionen steht meist in Zusammenhang mit einer starken Vermehrung der Nagerpopulation.

Klinische Symptome

Nach Inhalation von virushaltigem Staub, Kontakt mit virushaltigen Ausscheidungen infizierter Tiere oder Aufnahme kontaminierter Lebensmittel können nach meist 2-4 Wochen Symptome auftreten. Häufig verläuft die Infektion allerdings asymptomatisch oder mit nur leichten unspezifischen Symptomen. Abhängig vom Virustyp können unterschiedliche Symptome dominieren und auch der Schweregrad der Erkrankung variieren. Typisches Krankheitsbild einer Infektion mit Puumala-Viren ist die bei uns vorherrschende Nephropathia epidemica mit grippalen Symptomen, Nierenfunktionsstörungen bis hin zur dialysepflichtigen Niereninsuffizienz. Hämorrhagische Verläufe sind dabei selten. Charakteristisch sind ein akuter Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl mit Kopf-, Muskel- und Flanken- bzw. Rückenschmerzen. Auch Schwindel und Sehstörungen, Bauchschmerzen, Diarrhöen, ein petechiales Exanthem und ein trockener Reizhusten können auftreten. Bei einem Teil der Erkrankten kommt es nach wenigen Tagen zu verminderter Harnausscheidung, Blutbeimischungen, dem Auftreten von Ödemen sowie einem Blutdruckabfall und schließlich zum akuten Nierenversagen. Im asiatischen Raum herrscht das Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) mit häufig hämorrhagischen Komplikationen vor sowie das Hantavirus-Lungensyndrom (HPS) mit interstitieller Pneumonie, schwerem Lungenödem, Schock und ARDS, das in bis zu 50% der Fälle letal ist.

Infektionen vermeiden!

Das Risiko einer Infektion lässt sich durch verschiedene Maßnahmen verringern:

Mäuse nicht ins Haus!

Seal up! Trap up! Clean up!

Diese Empfehlungen der US-amerikanischen Seuchenkontrollbehörden fassen es gut zusammen: 1. sollte man möglichst das Eindringen von Mäusen in den häuslichen Bereich verhindern durch das Abdichten von Öffnungen. 2. können Mäusefallen z.B. helfen, die Populationsgröße zu reduzieren und 3. sollten Lebensmittel für Nagetiere unzugänglich aufbewahrt werden durch dicht schließende Schränke und Behälter. Tierfutter und Wasser sollten nicht über Nacht offenstehen und Abfall in verschließbaren Mülleimern entsorgt werden.

Reinigung und Mäusekontakt

Bei der Reinigung von Garagen, Dachböden, Scheunen, Schuppen oder Ställen kann virushaltiger Staub aufgewirbelt werden. Daher sollten Sie vor Reinigungsbeginn den Raum gut lüften (30 Minuten) und am besten zur Reinigung befeuchten, um eine Aufwirbelung zu vermeiden (keinen Staubsauger nutzen!). Tragen Sie Gummihandschuhe und einen eng anliegenden Mundnasenschutz (empfohlen wird eine Atemschutzmaske: FFP3-Maske). Finden Sie tote Mäuse oder Ausscheidungen, sollten diese mit Desinfektionsmittel besprüht, in einer Plastiktüte verschlossen und entsorgt werden. Die kontaminierten Flächen sollten sorgfältig mit Haushaltsreiniger gereinigt werden. Waschen Sie anschließend Ihre Hände sorgfältig mit Wasser und Seife.

Weitere Informationen gibt das gemeinsame Merkblatt des Konsiliarlabors für Hantaviren an der Charité in Berlin, das Robert Koch-Institut und weiterer Einrichtungen: https://bvnw.de/wp-content/uploads/2013/04/Merkblatt-Wie-vermeide-ich-Hantavirus-Infektionen.pdf

Meldepflicht gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG)

Seit Inkrafttreten des IfSG im Jahr 2001 unterliegt der Nachweis von Hantaviren, soweit er auf eine akute Infektion hinweist, und das klinische Bild eines akuten viralen hämorrhagischen Fiebers, der Meldepflicht. Nach § 7 IfSG wird vom Labor der Nachweis beim für den Einsender zuständigen Gesundheitsamt gemeldet. Die hämorrhagische Verlaufsform ist nach § 6 IfSG auch für den behandelnden Arzt meldepflichtig und erfolgt an das Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die betroffene Person derzeitig aufhält oder zuletzt aufhielt.

Statistik der Meldungen in Niedersachsen

In der folgenden Abbildung sind die monatlich übermittelten Fälle der letzten 10 Jahre in ganz Niedersachsen dargestellt. Mit Mausklick auf die einzelnen Jahre werden deren Verläufe in der Grafik ein- bzw. ausgeblendet. Die monatlichen Einzelwerte werden eingeblendet, wenn die Stützpunkte der Verlaufslinien mit dem Mauszeiger überfahren werden.
Es sind alle übermittelten Fälle aufgeführt, ohne Berücksichtigung der Falldefinition.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: https://www.nlga.niedersachsen.de/infektionsschutz/krankheitserreger_krankheiten/hantaviren/hantavirus-infektionen-19440.html

Maus auf Waldboden - Jens Klingebiel - Fotolia.com
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