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Leptospiren und die Erkrankung Leptospirose in Niedersachsen

Erreger

Leptospiren sind stark bewegliche, korkenzieherartig geformte, obligat aerobe Bakterien. Sie gehören zur Klasse der Spirochäten (schraubenförmige Bakterien). Nach genotypischer Einteilung können über 20 verschiedene Leptospiren-Arten und bisher insgesamt über 200 Serovare (Unterarten) identifiziert werden.

Leptospiren sind weit verbreitet und können zahlreiche Wild-, Haus- und Nutztiere wie Hunde, Schafe, Kühe infizieren. Infizierte Kleinsäuger und darunter vor allem Nagetiere spielen als Reservoir für die Übertragung auf den Menschen vermutlich die wichtigste Rolle. Die Reservoirtiere erkranken zumeist nicht, scheiden aber den Erreger mit dem Urin mitunter über Jahre aus.

Klinische Symptome

Durch direkten Kontakt mit einem infizierten Tier oder indirekt, durch den Kontakt mit erregerhaltigen Wasser oder Urin, kann der Erreger über kleine Wunden in der Haut zur Infektion und Erkrankung des Menschen führen. Nach zumeist 1-2 Wochen können sehr milde (ähnlich einem grippalen Infekt) bis sehr schwere Symptome (Nierenversagen, Lungenblutungen, Sepsis) auftreten, die verschiedene Organsysteme betreffen können. Häufig verläuft die Infektion allerdings asymptomatisch oder mit nur leichten unspezifischen Symptomen (vermutlich bei 90% der Infizierten). Wird die Infektion symptomatisch ist ein biphasischer Verlauf charakteristisch. Die Erkrankung beginnt akut mit hohem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl mit Kopf- und starken Muskelschmerzen, insbesondere im Bereich der Wadenmuskulatur, und Bauchschmerzen. Die Bindehäute können stark gerötet sein. Schwerere Verläufe betreffen häufig das Zentralnervensystem mit Nackensteifigkeit, Schwindel und Lichtscheuheit. Das Auftreten eines polyurischen Nierenversagens mit Gelbsucht und einer starken Vergrößerung der Milz wird als Morbus Weil bezeichnet.

Ansteckungsgefahr

Die Leptospirose ist auch als sogenanntes „Ernte-“ oder „Schlammfieber“ bekannt, das in der Vergangenheit vor allem Feldarbeiter/-innen betraf, die nach starken Regenfällen in Gebieten arbeiteten, welche durch mit Leptospiren infizierte Nagetiere wie Mäuse oder Feldhamster besiedelt waren. 2014 kam es in Niedersachsen erneut zu einem Ausbruch unter Erdbeerpflückern/-pflückerinnen. Aber auch die Teilnahme an naturbezogenen (Sport-) Veranstaltungen (Schwimmen in Flüssen, Boot fahren u.ä.) kann das Risiko einer Infektion erhöhen.

Infektionen vermeiden!

Verletzte Haut schützen!

Insbesondere nach heftigen Niederschlägen sollte Haut nicht mit dem sich ansammelnden oder überschwemmenden Wasser (Pfützen, Flusswasser) in Berührung kommen. Schützen Sie bei entsprechenden Tätigkeiten Ihre Haut, vor allem verletzte Haut, mit wasserdichten Pflastern bzw. Verbänden und Handschuhen. Auch andere Hautpartien, die mit diesem Wasser in Berührung kommen könnten, sollten durch Kleidung geschützt werden.

Hände waschen!

Nach Kontakt mit Schlamm, Pfützenwasser oder Wasser aus Flüssen, Seen etc. waschen Sie Ihre Hände gründlich.

Geschlossene Schuhe tragen!

Wenn Sie auf dem Feld arbeiten oder z.B. Erdbeeren pflücken, tragen Sie feste, geschlossene Schuhe.

Mäuse, Feldhamster und andere Nagetiere nicht anfassen!

Fassen Sie lebende und tote Nagetiere nicht ohne Handschuhe an. Nach einem zufälligen Kontakt mit verletzter Haut oder einem Biss, suchen Sie einen Arzt/Ärztin auf.

Meldepflicht gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG)

Seit Inkrafttreten des IfSG im Jahr 2001 unterliegt der Nachweis von Leptospiren, soweit er auf eine akute Infektion hinweist, der Meldepflicht. Nach § 7 IfSG wird vom Labor der Nachweis beim für den Einsender zuständigen Gesundheitsamt gemeldet.

Vor Einführung des IfSG war die Erkrankung Leptospirose nach dem Bundesseuchengesetz meldepflichtig. Leptospirose ist als Berufskrankheit anerkannt.

Statistik der Meldungen in Niedersachsen

Seit Inkrafttreten des IfSG werden in Niedersachsen jährlich zwischen 3 und 19 Fälle gemeldet. Im Rahmen eines Ausbruchs bei Erdbeerpflückern 2014 wurden 59 Fälle gemeldet.

In der ersten Abbildung sind die monatlich übermittelten Fälle der letzten 10 Jahre in ganz Niedersachsen dargestellt. Mit Mausklick auf die einzelnen Jahre werden deren Verläufe in der Grafik ein- bzw. ausgeblendet. Die monatlichen Einzelwerte werden eingeblendet, wenn die Stützpunkte der Verlaufslinien mit dem Mauszeiger überfahren werden. In Abbildung 2 sind die Zahl der Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner (Inzidenz) der letzten 10 Jahre kumulativ dargestellt.

Es sind alle übermittelten Fälle aufgeführt, ohne Berücksichtigung der Referenzdefinition.


Weiterführende Informationen:


https://mobil.bfr.bund.de/cm/343/leptospirose-eine-seltene-aber-immer-haeufiger-auftretende-erkrankung.pdf

Ratgeber für Ärzte/Ärztinnen des Robert Koch-Instituts: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Leptospirose.html#doc6823762bodyText4

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