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Verbesserung der Öffentlichen Gesundheit durch ein besseres Verständnis der Epidemiologie nagetierübertragener Krankheiten (RoBoPub)

Projektinhalt und Ziele

Das interdisziplinäre RoBoPub-Verbundvorhaben ist darauf ausgerichtet, eine umfassende Wissensbasis über die Epidemiologie von zwei durch Nagetiere übertragene Zoonoseerreger, Hantaviren und Leptospiren, zu schaffen und die gewonnenen Erkenntnisse in Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) umzusetzen. Es handelt sich sowohl bei Hantaviren, als auch bei Bakterien der Gattung Leptospira um in Deutschland auftretende Erreger, die durch Nagetiere wie die Rötel- oder Feldmaus übertragen werden.

Der Labornachweis von Hantavirus-Erkrankungen bzw. Leptospirosen unterliegt der Meldepflicht nach §7 des Infektionsschutzgesetzes. Die Meldezahlen der durch die Erreger hervorgerufenen Krankheitsfälle unterliegen starken regionalen und saisonalen Schwankungen, wobei die häufige Manifestation in grippeähnlichen Symptomen eine nicht zu unterschätzende Dunkelziffer an Nicht- und Fehldiagnosen vermuten lässt. Obwohl die Mehrzahl der Hantavirus- und Leptospirose-Erkrankungen mit milden klinischen Symptomen einhergeht, können auch schwere Krankheitsverläufe mit dauerhafter Nierenschädigung oder Nierenversagen auftreten ggfs. sogar mit Todesfolge.

Im Rahmen dieser synergistischen One-Health-Initiative sollen die verschiedenen Aspekte der Erregerübertagung, die Manifestation und Diagnose der humanen Erkrankung, Risikofaktoren sowie soziale Aspekte der Sensibilisierung und Risikowahrnehmung der niedergelassenen Ärzte und der Bevölkerung untersucht werden. Ziel ist es, sämtliche Erkenntnisse in eine Risikobewertung zu überführen, auf deren Basis Gefahrenkarten, Frühwarnmodule, Risikomanagementpläne und Gesundheitspläne/Präventionsmaßnahmen erarbeitet werden und unter Einbezug des öffentlichen Gesundheitsdienstes an die Bevölkerung und besonders betroffene Personengruppen kommuniziert werden.

Das Projekt wird seit 2017 finanziell durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Förderkennziffer: 01KI1721D

Die Leitung des Projektverbundes erfolgt durch das Friedrich Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI). Die stellvertretende Leitung des Projektverbundes übernimmt das Niedersächsische Landesgesundheitsamt.

Beteiligung des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts

Als Kooperationspartner im Verbundprojekt RoBoPub übernimmt das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) das Teilvorhaben „Epidemiologie von Seroprävalenzen und Einflussfaktoren in Risikogruppen sowie Translation der Ergebnisse für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“.

Erhebungs- und Auswertungsmethoden für den 1. Arbeitsschwerpunkt

Im ersten von zwei Arbeitsschwerpunkten, die am NLGA angesiedelt sind, wurden anhand serologischer Untersuchungen von Blutproben aus einer Risikogruppe und einem ausgewählten Patientenkollektiv, welches in einem Hantavirus-Risikogebiet lebt, Seroprävalenzen sowohl für Hantavirus- als auch für Leptospiren-Antikörper erhoben. Zusätzlich wurde ein standarisierter Fragebogen eingesetzt, um mögliche Risikofaktoren für humane Hantavirus- und Leptospiren-Infektionen zu identifizieren und das Präventionsverhalten der beiden Untersuchungsgruppen im Hinblick auf die Infektionen zu ermitteln. Vor allem die Assoziation des Serostatus mit den Risikofaktoren sowie mit der Kenntnis und der Anwendung von Präventionsmaßnahmen stehen hierbei im Vordergrund. Hierzu wurden in den Untersuchungsgruppen epidemiologische Fall-Kontrollstudien durchgeführt. Des Weiteren wurden Informationen über den Anteil asymptomatischer sowie schwer symptomatischer, aber nicht korrekt diagnostizierter, Erkrankungen erhoben. Ein Vergleich mit eigenen Voruntersuchungen soll genutzt werden, um eine Trendentwicklung aufzuzeigen.

Eine Berufsgruppe mit erhöhtem Expositionsrisiko sind Forstbedienstete. Serumproben von Forstbediensteten aus Niedersachsen wiesen eine anti-Hantavirus-IgG Seropositivität von ca. 7,5% bzw. anti-Leptospiren-IgG Seropositivität von ca. 4,4 % auf. Mittels eines standardisierten Fragebogens wurden Informationen zu potentiellen Risikofaktoren aus dem privaten und beruflichen Umfeld erhoben. Interessant ist, dass lediglich bei einem der Forstarbeiter die ärztliche Diagnose Hantavirus-Infektion gestellt worden war. Keiner der Forstarbeiter konnte sich daran erinnern, an Leptospirose erkrankt gewesen bzw. diagnostiziert worden zu sein. Dieses Ergebnis weist auf eine hohe Untererfassung dieser nach IfSG meldepflichtigen Erkrankungen hin. Es wurden Risikofaktoren aus dem beruflichen und privaten Umfeld identifiziert, die mit einer erhöhten Chance der Hantavirus- bzw. Leptospiren-Seropositivität unter Forstarbeitern einhergeht.

Als zweite Untersuchungsgruppe wurde die Allgemeinbevölkerung einer niedersächsischen Region betrachtet, die in einzelnen Jahren vermehrt Hantavirus-Erkrankungen verzeichnete. Bei ihr lag die anti-Hantavirus IgG Seropositivität mit ca 11,1 % höher als bei den untersuchten Forstbediensteten. Die Seropositivität für anti-Leptospiren IgG war jedoch niedriger und lag bei ca. 2,5 %. Die bei den Forstbediensteten festgestellte Untererfassung an Infektionen und Erkrankungen zeigte sich auch in dieser Untersuchungsgruppe. Keiner der Teilnehmenden hatte jemals eine Diagnose für Leptospirose erhalten und nur ca. 38 % der anti-Hantavirus IgG Seropositiven entsann sich zuvor mit einer Hantavirus-Infektion oder –Erkrankung diagnostiziert worden zu sein. Durch die Fragebogen-Erhebung konnten für beide Infektionen Faktoren im häuslichen Umfeld und im Freizeitverhalten der Teilnehmenden identifiziert werden, die mit einer erhöhten oder reduzierten Chance der Seropositivität in Verbindung stehen.

Eine weitere Studie mit Schwerpunkt beruflicher Exposition unter Erntearbeitern ist in Planung und soll 2021 durchgeführt werden.

Arbeitsziele und –methoden für den 2. Arbeitsschwerpunkt

Im zweiten Arbeitsschwerpunkt sollen die gesamten durch das Konsortium gewonnen Ergebnisse genutzt werden, um für den Öffentlichen Gesundheitsdienst Maßnahmen zur Prävention nagetierübertragener Infektionen zu entwickeln. Aufbauend darauf soll ein Vorhersagemodell entwickelt werden, welches in Verbindung mit Wetter- und Umweltdaten in der Lage ist, Prognosen für das Übertragungsrisiko von Hantavirus und Leptospira spp. von Nagetieren auf den Menschen auf regionaler Ebene zu erstellen. Aus diesen Prognosen sollen konkrete Präventionsbotschaften abgeleitet und an die entsprechenden Zielgruppen weitergegeben werden. Zudem soll es möglich sein, aus dem Modell heraus zeitlich variierende Risikokarten für das Auftreten von Hantavirus-Eerkrankungen bzw. Leptospirose, sowie Frühwarnungen zu erzeugen. Ebenfalls soll ein Risikomanagementplan entwickelt werden, in dem die relevanten Zielgruppen definiert und u.a. Präventions- und Interventionsmaßnahmen bzw. Informationsziele und –wege festgelegt werden.

Zusammengefasst sollen somit folgende Aufgaben bearbeitet werden:

  • Integration von ÖGD-Aspekten und Validierung des statistischen Vorhersagemodells
  • Erstellung von Prototypen für Risikokarten
  • Generierung von Frühwarnsystemen
  • Erstellung eines Risikomanagementplans

Bearbeitung: Dr. Johannes Dreesman (Projektleitung),

Projektmitarbeiter: Dr. Christiane Klier, Saskia Schmitz

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Rötelmaus Bildrechte: apodemus

Rötelmaus

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Johannes Dreesman/ Dr. Christiane Klier

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