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Informationen zu Glyphosat in Muttermilch

Glyphosat ist der Wirkstoff eines der meistgenutzten „Unkrautbekämpfungsmittel" (Pflanzenschutzmittel), und grundsätzlich als Verunreinigung in Muttermilch unerwünscht. Im Juni 2015 ist in den Medien über eine Untersuchung von 16 Muttermilchproben berichtet worden. Das Untersuchungslabor verwendete ein so genanntes ELISA-Verfahren, welches derzeit nur für die Bestimmung von Glyphosat in Wasserproben ausreichend erprobt ist (ELISA: Enzyme-linked Immunosorbent Assay). Demnach seien Konzentrationen von Glyphosat zwischen 0,21 und 0,43 ng/ml gefunden worden (ng/ml bedeutet Nanogramm pro Milliliter und entspricht einem Milliardstel Gramm Glyphosat pro Milliliter Muttermilch).

Der berichtete Glyphosat-Fund in Muttermilch erschien nicht plausibel, da nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand aufgrund der physiko-chemischen Eigenschaften von Glyphosat davon ausgegangen wird, dass es sich nicht im Fettgewebe oder der Muttermilch anreichert. Messungen auf Glyphosat in Muttermilch waren bisher auch deswegen nicht erfolgt, da aufgrund der komplexen Zusammensetzung keine nachweislich geeignete Methode (Messverfahren) zur Verfügung stand.
Für die gesundheitliche Betrachtung potentieller Spuren sollte die stoffspezifische „duldbare tägliche Aufnahmemenge" (ADI) oder „akute Referenzdosis" (ARfD) als Bezugsgröße herangezogen werden. Selbst die höchste Konzentration der potentiellen Funde mit 0,43 ng/ml läge weit unterhalb der entsprechend ADI als gesundheitlich unbedenklich geltenden Konzentration von über 1 000 ng/ml.

Zahlreiche Anfragen an das NLGA lassen darauf schließen, dass die Berichterstattung und die kontroversen Diskussionen um Glyphosat viele Mütter beunruhigt haben.
Um zu vermeiden, dass sich Mütter aufgrund einer unbegründeten Besorgnis nun gegen das Stillen entscheiden könnten, wurden durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zwei Labore beauftragt, jeweils eine unabhängige Analysemethode zu entwickeln und zu validieren, mit deren Hilfe Glyphosat in Muttermilch ab 1 ng/ml quantitativ erfasst werden kann. Mit einer Methode ist zudem die Existenz von Glyphosat bei noch geringeren Spuren nachweisbar (d. h. 0,5 ng/ml). Beide neu entwickelten Methoden erfüllen die europäischen Validierungskriterien zur Bestimmung von Rückständen aus Lebens- und Futtermitteln. Die Methodenentwicklung sowie Validierung wurden in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht (Steinborn et al., 2016, Journal of Agricultural and Food Chemistry, 64 (6):1414-21).

Sobald die Validierung abgeschlossen war, wurden alle dem NLGA von August bis September 2015 zugesandten Muttermilchproben zusätzlich von mindestens einem der beiden Labore auf Glyphosat untersucht. Insgesamt wurden 114 Muttermilchproben analysiert (dabei 97 aus Niedersachsen und 17 weitere vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit). In keiner der mit diesen validierten Methoden untersuchten Proben waren Rückstände des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat nachweisbar (Bestimmungsgrenze 0,5 ng/ml).

Die kontroverse Diskussion bezeugt die Relevanz eines Monitorings wie dem Muttermilch-Untersuchungsprogramm des NLGA. Die zukünftige Herausforderung stellen dabei potentiell neue (bzw. neu in der Diskussion stehende) Stoffe dar.
Insbesondere für die Messung in Muttermilch müssen analytische Methoden erst noch entwickelt werden, um den Übergang von Rückständen in Muttermilch gänzlich ausschließen oder den Stoff als Untersuchungsparameter in Monitoring-Programme integrieren zu können. Notwendig erscheint ebenso ein sensiblerer öffentlicher Umgang mit nicht validierten Daten. Der alleinige Nachweis ist meist kein ausreichender Grund zur Besorgnis, denn entscheidend für eine gesundheitliche Bewertung sind die spezifischen Stoffeigenschaften und die Höhe des Gehaltes.

Muttermilch gewährleistet eine optimale Entwicklung des Kindes, so schützen beispielsweise enthaltene Abwehrstoffe den Säugling vor Erkrankungen. Die nationale Stillkommission betrachtet kontinuierlich die wissenschaftlichen Erkenntnisse und wägt Vor- und Nachteile des Stillens in Ihren Empfehlungen ab. Dabei ist auch bei den bekannten Fremdstoffbelastungen der vergangenen Jahrzehnte die Entscheidung immer zu Gunsten der Muttermilch ausgefallen. Die nachgewiesenen Vorteile haben bisher immer etwaige Risiken klar überwogen und Muttermilch gilt nach wie vor als beste Ernährung für den Säugling.

Chemische Strukturformel des Wirkstoffes Glyphosat

Chemische Strukturformel des Wirkstoffes Glyphosat

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Nathalie-Desiree Costa Pinheiro

Nds. Landesgesundheitsamt
Toxikologie
Roesebeckstr. 4-6
30449 Hannover
Tel: 0511-4505-0
Fax: 0511-4505-317

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