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Krebsclusteruntersuchungen

Was ist eine Krebsclusteruntersuchung?

Bei einer Krebsclusteruntersuchung wird untersucht, ob es zu einer zeitlichen oder räumlichen Häufung bestimmter Krebserkrankungen gekommen ist und welche Ursachen dies gegebenenfalls begünstigt haben könnte. Häufig wird mit dem Verdacht, dass zu viele Krebserkrankungen aufgetreten sind, bereits eine Umweltgefährdung als mögliche Auslöser dieser Häufung benannt.

Es gibt allerdings nur sehr wenige Fälle, in denen durch eine Krebsclusteruntersuchung eine eindeutige Ursache für ein Krebscluster gefunden werden konnte. Dies ist überwiegend darauf zurückzuführen, dass zwischen dem „ausgesetzt sein" gegenüber einem möglicherweise krebserregenden Stoff (Exposition) und der Entwicklung bzw. Diagnose einer Krebserkrankung meist ein langer, mehrjähriger Zeitraum liegt und die Fallzahlen bei Krebsclusteruntersuchungen, die sich in der Regel auf sehr kleine Regionen beziehen, meist sehr klein sind.

Dennoch sollte immer versucht werden, bei einem bestätigten Krebsclusterverdacht wahrscheinliche oder auch nur mögliche Ursachen zu ermitteln. Denn neben dem Nachweis oder Hinweis auf beispielsweise eine (ehemalige oder noch wirksame) Umweltgefährdung ist es auch wichtig entscheiden zu können, ob eine angenommene potentielle Belastung vielleicht gar nicht für die beobachtete Krebshäufung verantwortlich sein kann.

Wie geht man grundsätzlich bei der Untersuchung einer möglichen im Umweltverdacht stehenden Krebshäufung vor?

Krebsclusteruntersuchungen sind in verschiedene Bearbeitungsphasen unterteilt:

1. Bestätigung eines vermuteten Krebsclusters

Ausgangspunkt für eine Krebsclusteruntersuchung ist häufig die Vermutung von Bürgerinnen/Bürgern, dass in ihrer Nachbarschaft (Wohnsiedlung, Stadtteil) überdurchschnittlich viele Menschen an Krebs erkranken.

Im ersten Schritt werden die dem Verdacht zugrundeliegenden Angaben (etwa eines besorgten Bürgers oder eines niedergelassenen Arztes), evtl. ergänzt aus anderen Quellen, für eine orientierende Berechnung der beobachteten gegenüber der zu erwartenden Krebshäufigkeit herangezogen. In vielen Fällen ergibt diese Prüfung, dass kein Hinweis auf eine Krebshäufung vorliegt. Informationen zum Vorgehen bei einer vermuteten Krebshäufung finden Sie auf der Internetseite Krebsregister > Anfragen zu regionalen Krebshäufungen.

2. Überprüfung der Falldaten, Analyse möglicher Umweltfaktoren

Falls sich aus den Analysen ein Hinweis auf eine mögliche Krebserhöhung ergibt, werden in der anschließenden Bearbeitungsphase zum einen die bisherigen Falldaten näher überprüft, wie auch die in Verdacht stehenden umweltbezogenen Faktoren vor Ort näher untersucht. Bei dieser Entscheidung für eine vertiefende Clusteruntersuchung sind neben der eher statistischen Frage nach einer Fallzahlerhöhung aber auch zusätzlich das Wissen um mögliche in Verdacht stehende Umweltfaktoren zu berücksichtigen. Bei der näheren Untersuchung des möglichen Krebsclusters ist dann die Plausibilität eines Zusammenhanges zwischen den Krebsfällen und den diskutierten Umweltfaktoren näher zu beschreiben und abzuschätzen.

Ergeben sich aus diesen Vor-Ort-Untersuchungen, dass bekannte Krebsrisikofaktoren verstärkt vorliegen, so sind - auch wenn sich eine Häufung von Krebsfällen oder Krankheitssymptomen selbst nicht bestätigt - ohnehin geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die sich nach dem toxikologischem Gefährdungspotential richten.

3. Durchführung einer epidemiologischen Studie

Erst wenn sich auch nach der genaueren Beschreibung des möglichen Krebsclusters der Verdacht eines Zusammenhanges zwischen Krebserkrankungen und einem bislang unbekannten umweltbezogenen Faktors erhärtet, sollte dem in einer gut geplanten epidemiologischen Studie nachgegangen werden, um das Wissen um Krebsrisiken zu erweitern.

Ablaufschema Krebsclusteruntersuchungen  

Wie setzt das NLGA diese Untersuchungsschritte um?

Die Bearbeitung von Krebsclusteruntersuchungen erfolgt in Kooperation zwischen den zuständigen kommunalen Gesundheitsbehörden, dem EKN sowie dem NLGA weitgehend standardisiert:

Anfragen der kommunalen Gesundheitsbehörden zur Unterstützung bei dem Verdacht einer regionalen Krebshäufung werden zunächst von der Vertrauensstelle des EKN auf ihre Plausibilität geprüft und auf die Möglichkeiten des EKN, hier unterstützende Auswertungen beitragen zu können. Falls die Anfrage bereits einen konkreten Verdacht beinhaltet, dass Umweltfaktoren die mögliche Erhöhung ausgelöst haben könnten, wird der Arbeitsbereich Umweltepidemiologie hinzugezogen.

Der Arbeitsbereich Umweltepidemiologie unterstützt die kommunalen Gesundheitsbehörden bei der Präzisierung der Fragestellung, bei der epidemiologischen Einschätzung, ob und welche umweltbedingten Risikofaktoren bei einer tatsächlichen Erhöhung von Krebserkrankung in Frage kämen, und vor allem bei der Konzeption weiter führender Untersuchungsschritte bei einem bestätigten Krebsclusterverdacht.

Ein aktuelles Beispiel, bei dem ausgehend von einem vom EKN bestätigten Verdacht einer Krebserhöhung weitere Untersuchungsschritte eingeleitet wurden, liefert die Krebsclusteruntersuchung Hämatologisches Krebscluster in der Samtgemeinde Bothel - Hinweise auf Zusammenhänge zu Kohlenwasserstoffförderung?

Ältere Krebsclusteruntersuchungen, bei denen zunächst anhand von Befragungen, Falllisten oder Todesbescheinigung bewertet werden musste, ob eine Inzidenzerhöhung vorliegen könnte, sind auf der Internetseite Zurückliegende Krebsclusteruntersuchungen angeführt.

Weitere Auswertungen zur regionalen Krebshäufigkeit finden Sie auf der Internetseite der Registerstelle des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN):
Sonderauswertungen (regionale Krebshäufigkeit)

Krebsclusteruntersuchungen
Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Michael Hoopmann

Nds. Landesgesundheitsamt
Umweltepidemiologie
Roesebeckstr. 4-6
30449 Hannover
Tel: 0511-4505-0

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