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Niedersächsisches Blei-Programm (2004-2014)

Um die notwendige Bleisanierung insbesondere privater Wohngebäude voranzutreiben, hat die Niedersächsische Landesregierung im Jahr 2005 auf Basis einer Landtagsentschließung ein Programm zur Bleisanierung initiiert, welches knapp ein Jahr nach der Grenzwertsenkung im Jahr 2014 beendet wurde. Es umfasste vier zentrale Bausteine:

1) Flächendeckende Informationssammlung

Verschiedene Studien aus Deutschland aus den letzten Jahrzehnten schätzten, dass bis zu jedes zehnte Gebäude noch Bleileitungen aufweisen könnte. Zahlen für Niedersachsen waren nicht vorhanden. Da die Umsetzung eines „Katasters" über Bleileitungen für den Flächenstaat Niedersachsen sowohl rechtlich als auch praktisch nur schwer umsetzbar gewesen wären, wurden durch den öffentliche Gesundheitsdienst eine freiwillige für Risikohaushalte kostenfreie Screening-Untersuchung auf Blei im Trinkwasser angeboten. Von den 7000 Proben, die über den Projektzeitraum von zehn Jahren untersucht wurden, waren lediglich 7% mit Werten über 10 µg Blei pro Liter auffällig. Diese Zahl liegt deutlich unterhalb der Erwartungen, da es sich um Proben aus Verdachtshaushalten handelt und ein Querschnitt über alle in Niedersachsen Wohngebäuden nicht abgebildet wurde.

Öffentliche Gebäude werden stichprobenartig durch die kommunalen Gesundheitsämter überwacht. Im Rahmen des Blei-Programms sind hierbei nur sehr wenige Gebäude auffällig geworden.

Abfragen bei den Wasserversorgungsunternehmen ergaben, dass die öffentliche Wasserversorgung Niedersachsens, bis auf ganz wenige restliche Hausanschlüsse, bleifrei ist.

Der Anteil der Bleiinstallationen ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesunken, sinkt weiter und liegt unter dem befürchteten Maß.

2) Arbeitsgemeinschaft Bleisanierung

Es wurde eine Arbeitsgemeinschaft „Bleisanierung" eingerichtet, an der Vertreter gesellschaftlich relevanter Akteure (wie z.B. Mieter- und Vermieterverbände, Wasserversorger, Handwerk, Bau- und Gesundheitsverwaltung) beteiligt wurden. Dadurch konnte der erforderliche Informationsaustausch zwischen den Beteiligten entscheidend gefördert werden. Die AG-Teilnehmerinnen und AG-Teilnehmer sind Multiplikatoren, die in ihren jeweiligen Strukturen ihrer Organisationen regelmäßig informiert haben. Seit Beginn des Programms im Jahr 2005 ist die Arbeitsgruppe mindestens einmal im Jahr zusammengekommen.

Ergebnisse der Arbeit sind neben dem regen Informations- und Erfahrungsaustausch und der Diskussion von Sanierungsstrategien u.a. eine Liste mit Fragen und Antworten zu Blei im Trinkwasser sowie ein Informationsfaltblatt, das nicht nur auf notwendige Maßnahmen zum Gesundheitsschutz eingeht, sondern auch die rechtliche Situation beleuchtet und Kontaktadressen für weitere Fragen liefert.

3) Öffentlichkeitsarbeit anlässlich der Grenzwertsenkung

Seit 2005 wurden seitens des Projektes und des NLGA dem kommunalen öffentlichen Gesundheitsdienst mehrere Muster-Pressemitteilungen für die Arbeit vor Ort zur Verfügung gestellt. Auch das Sozialministerium hat in den Jahren immer wieder entsprechende Pressemitteilungen herausgegeben.

Am 29.07.2013 warb Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt erneut in einer Pressekonferenz für die Sanierung von alten Bleileitungen. Viele örtliche Gesundheitsämter nutzten diese Pressekonferenz auch als Auftaktveranstaltung für die erneute eigene Pressearbeit und es folgten in den Wochen danach eine ganze Reihe von Beiträgen in regionalen und überregionalen Medien, Mitgliedszeitschriften von Mieter- und Vermieterverbänden, aber auch in anderen Medien wie z. B. der Apotheken-Rundschau. Das NLGA hatte in der Folge bei verschiedenen Interviews die Gelegenheit sich zum Thema Blei zu äußern.

Durch die breite Öffentlichkeitsarbeit des NLGA und der kommunalen Gesundheitsämter konnten sogar über die Landesgrenzen hinaus viele Menschen erreicht werden und so zu einer deutlich verbesserten Wahrnehmung des Themas beigetragen werden.

4) Erfahrungen mit dem Vollzug der Trinkwasserverordnung

Die Hauseigentümer konnten für die von Blei ausgehenden gesundheitlichen Gefahren sensibilisiert werden; die Sanierung entsprechend belasteter Hausinstallationen ist weit fortgeschritten. Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen musste der Staat mit hoheitlichen Maßnahmen eingreifen und wird dies auch in Zukunft, soweit nötig, tun. Die kommunalen Gesundheitsämter wurden hierbei hinsichtlich einer rechtssicheren Überwachung durch das Gesundheitsministerium und das NLGA unterstützt. Damit konnte die Qualität des Trinkwassers in Bezug auf den Parameter Blei in Niedersachsen in den letzten zehn Jahren erheblich verbessert werden.

Abschlussbericht Blei-Programm
Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Jessica Laß

Nds. Landesgesundheitsamt
Wasserhygiene
Roesebeckstr. 4-6
30449 Hannover
Tel: 0511-4505-0

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