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Biologische Schadenslagen

Im Zusammenhang mit besonderen biologische Schadenslagen beschäftigt sich das Zentrum für Gesundheits- und Infektionsschutz (ZGI) mit Verdachtsfällen bzw. dem tatsächlichen Auftreten von lebensbedrohlichen übertragbaren Erkrankungen. Dabei kann es sich um Einzelfälle oder um ein epidemisches, insbesondere überregionales Auftreten schwerer Infektionen gemäß Infektions- und anderer Alarmpläne Niedersachsens handeln.

Infektiöse Krankheitserreger/biologische Agenzien wie z.B. Bakterien, Viren, Pilzen, andere Mikroorganismen und Toxine natürlichen Ursprungs können eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen darstellen. Die gesundheitlichen Folgen können von ihrem Ausmaß her sehr unterschiedlich sein. Der unbeabsichtigten natürlichen Freisetzung, wie sie auch aus Labor- oder Transportunfällen resultieren kann, steht die beabsichtigte Freisetzung von Krankheitserregern gegenüber. Diese Form der Bedrohung infolge gezielter Akte (kriegerische Handlungen, Bioterrorismus) mit Hilfe biologischer Krankheitserreger kann in erhebliche schädliche Auswirkungen für den Menschen oder für die Umwelt einmünden.

Historische Beispiele für besondere biologische Gefahrenlagen sind u.a. der Ausbruch des Marburg-Virus in der Stadt Marburg durch Laborunfälle im August 1967, die Terroranschläge in den USA im Jahr 2001 durch den Versand von Milzbranderregern und durch Trittbrettfahrer auch in Deutschland. Mit der SARS-Epidemie in 2002 und 2003 kam die Erinnerung an die Möglichkeit neu auftretender, bisher unbekannter Krankheitserreger, die zu einer Vielzahl von Opfern und erheblichen wirtschaftlichen Schäden führt, zurück. Die Ausbreitung der Vogelgrippe (Aviäre Influenza) in Deutschland von Februar bis April 2006 hat die Diskussion einer erneuten Influenzapandemie wieder hervorgerufen. Schon seit der letzten Pandemie 1977 (Russische Grippe) ist dieses Szenario verstärkt in das Bewusstsein von Notfallplanern gelangt.

Außergewöhnliche biologische Gefahren unterscheiden sich von anderen Großschadensereignissen wie z.B. Naturkatastrophen, Chemieunfällen/chemischer Terrorismus oder konventionellen Sprengstoffanschlägen durch spezifische Merkmale. Eine besondere Schwierigkeit stellt die Wahrnehmung und die damit verbundene Problematik einer angemessenen zeitgerechten Reaktion dar. Zudem lösen biologische Agenzien beim Menschen häufig große Ängste bis hin zur Panik aus, da das Ausmaß der individuellen Gefährdung für den Einzelnen schwer einschätzbar ist. Die Verschiedenartigkeit der Erreger-/Toxineigenschaften, z.B. in Bezug auf Infektiosität, Inkubationszeit, Letalität, Umweltresistenz oder Therapierbarkeit führt zu unterschiedlichen Auswirkungen auf die Ausbreitung des Infektionsgeschehens und benötigt entsprechend unterschiedliche Vorbereitungen und Reaktionen der Verantwortlichen und Betroffenen.

Zur Durchführung der Spezialdiagnostik hochkontagiöser und/oder bioterroristisch relevanter Erreger aus Human- und Umweltproben hat das ZGI unmittelbar Zugriff auf ein Laboratorium der Sicherheitsstufe S 3 am NLGA.

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Lassaviruspartikeln.

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Lassaviruspartikeln (Bernhard-Nocht-Intitut).

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Masyar Monazahian

Nds. Landesgesundheitsamt
Roesebeckstr. 4-6
30449 Hannover
Tel: 0511-4505-0

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