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Spezielle Gefahrenlagen

Die durch den Menschen verursachten Veränderungen des Klimas stellen ein komplexes und globales Problem dar. Die Gefahren durch den Klimawandel sind erstmals Thema des Vierten Gefahrenberichts 2011 der Schutzkommission beim Bundsministerium des Innern. Langfristiger Temperaturanstieg, längere Trockenperioden, stärkere Regenfälle und eine Häufung von Extremwetterereignissen zeigen, dass die Auswirkungen des Klimawandels auch in Deutschland zu beobachten sind. Die klimatischen Veränderungen sind durch statistische Daten zu Extremereignissen (z.B. Hitzewellen, Dürren, Starkniederschläge und Überschwemmungen, Stürme) im globalen Kontext wie auch in Deutschland bzw. Niedersachsen gut dokumentiert. Die Klimaforschung bietet mit Hilfe regionaler Klimaszenarien zunehmend differenzierte Aussagen hinsichtlich der zu erwartenden Klimaänderungen auch in Niedersachsen. Fasst man die Ergebnisse zur Vulnerabilität ohne weitere Anpassungsmaßnahmen für Deutschland zusammen und gliedert sie nach Regionen so zeigt sich, dass Südwestdeutschland, die zentralen Teile Ostdeutschlands und die Alpen aktuell die höchste Vulnerabilität gegenüber dem Klimawandel in klimasensitiven Bereichen aufweisen. Demgegenüber zeigen die deutschen Mittelgebirge und Nordwestdeutschland einschließlich Niedersachsen die insgesamt geringste Vulnerabilität.

Folgende Bereiche sind aus Sicht des gesundheitlichen Bevölkerungsschutzes hinsichtlich potentieller gesundheitlicher Auswirkungen des Klimawandels für Niedersachsen zu betrachten: Luftgetragene Allergene, Luftqualität und Atemwegserkrankungen, extreme Wetterereignisse, Hitzewellen, Mental Health, vektorgetragene Erkrankungen/Zoonosen und wasser- und nahrungsbürtige Erkrankungen. Veränderungen der Luftqualität und Atemwegserkrankungen sind vor allem in Zusammenhang mit der Entwicklung der Ozon-Last der Außenluft zu betrachten; langfristig wird eine Zunahme der Ozon-Konzentration und von Ozon-assoziierten Atemswegserkrankungen diskutiert. Gefährdet können in der Konsequenz aus extremen Wetterereignissen insbesondere auch kritische Infrastrukturen sein, die für die medizinische Versorgung der Bevölkerung notwendig sind.

Für das Norddeutsche Tiefland ist im Bereich Wasser mit einer hohen Vulnerabilität aufgrund steigender Hochwassergefahr und hohem Schadenspotential zu rechnen. Trendanalysen aus historischen Klimadaten belegen, dass der Klimawandel bereits das Hoch- und Niedrigwasser niedersächsischer Gewässer beeinflusst. Vor allem im Norden und Süden von Niedersachsen ist eine Zunahme der (Extrem)-Niederschläge im Winter, Frühjahr und Herbst zu beobachten. Es ist davon auszugehen, dass Hochwasser und vor allem das Wasser in Überschwemmungsgebieten über das Abwasser mit bakteriellen, viralen sowie parasitären Krankheitserregern belastet sein kann. Diese Krankheitserreger werden mit dem Stuhl ausgeschieden und können über Hand-/Mund-Kontakt wieder aufgenommen werden. Die größten hygienischen Probleme ergeben sich nach dem Ende von Überschwemmungen. Es hat sich gezeigt, dass bei Einhaltung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen kein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Von Bedeutung sind daher angemessene Informationen zu möglichen Infektionsrisiken und zum Infektionsschutz in Überschwemmungsgebieten.

Durch sommerliches Niedrigwasser, d. h. fehlende Verdünnung im Wasserkörper, erhöht sich die bakterielle Belastung von Gewässern. Höhere Wassertemperaturen können in Binnenseen in Verbindung mit einem erhöhten Nährstoffeintrag zu vermehrten Blaualgenblüten (Cyanobakterien) führen. Da bestimmte Blaualgen Toxine produzieren, sinkt die Qualität betroffener Gewässer insbesondere für die Nutzung als Badegewässer deutlich. Der Kontakt mit dem verunreinigten Wasser kann zu Haut-, Magen- und Darmirritationen sowie Leber- und anderen schweren Gesundheitsschäden führen.

Im Bereich der vektorübertragenen Krankheiten besteht Unsicherheit über die Auswirkungen des Klimawandels, in der Tendenz kann aber von einer steigenden Infektionsgefahr ausgegangen werden. Aufgrund des potentiell hohen Risikos und des aktuellen Anpassungsdefizits ist von einer hohen Vulnerabilität gegenüber vektorübertragenen Krankheiten auszugehen. Diese Überlegungen schließen mit ein, dass sich Risiken durch übertragbare Krankheiten verändern können. Verbreitungsgebiete von Erregern bestimmter Krankheiten oder deren Überträgern wie Zecken oder Stechmücken können sich z.B. verschieben.

Als wichtige direkte Auswirkung des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit wird ohne Zweifel die Belastung durch Hitze angesehen. Längere Hitzeperioden ohne ausreichende nächtliche Abkühlung sind ein starker gesundheitlicher Stressfaktor vor allem für ältere Menschen, der im Extremfall lebensbedrohlich sein kann.

Literatur

Regierungskommission Klimaschutz (2012): Empfehlung für eine niedersächsische Klimaanpassungsstrategie, 4. Juli 2012

Zebisch M, Grothmann T, Schröter D, Hasse C, Fritsch U, Cramer W (2005) Klimawandel in Deutschland. Vulnerabilität und Anpassungsstrategien klimasensitiver Systeme. Forschungsbericht 201 41 253, UBA-FB 000844. UBA-Berichte 08/05

Hochwasserschaden an einer Straße

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe:

Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg:

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Klaus-Michael Wollin/ Dr. Masyar Monazahian

Nds. Landesgesundheitsamt
Roesebeckstr. 4-6
30449 Hannover
Tel: 0511/4505-0
Fax: 0511/4505-140

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