Stechmücken und durch Stechmücken übertragene Erkrankungen
Stechmücken zählen zu den zweiflügeligen Insekten. In Deutschland wurden bislang über 50 verschiedene Stechmückenarten nachgewiesen. Neben den heimischen Stechmückenarten kommen auch tropische Arten vor, die regional unterschiedlich verbreitet sind.
Citizen Science Projekt: Tigermücke melden!
Sie haben ein verdächtiges Exemplar (Tigermücke) in Niedersachsen entdeckt? Bitte überprüfen Sie Ihren Fund anhand der genannten Merkmale (s.u.) . Töten Sie die Mücke ab (z.B. durch Einfrieren) und schicken Sie diese in einem kleinen Gefäß (z.B. Streichholzschachtel) unter Angabe des Fundortes an:
Niedersächsisches Landesgesundheitsamt
Mückenmonitoring
Roesebeckstr. 4-6
30449 Hannover
Oder senden Sie detailreiche Fotos mit Fundort an: vektormonitoring@nlga.niedersachsen.de
Sie haben weiße Ringe an den letzten 5 Segmenten der Hinterbeine, das letztes Segment ist ganz weiß und einen weißen Streifen auf dem Kopf und dem Vorderkörper.
In Deutschland wurden bislang fünf invasive Stechmückenarten nachgewiesen. Die größte Bedeutung wird der asiatischen Tigermücke, Aedes albopictus, beigemessen. Insbesondere im Oberrheingraben wird die Tigermücke vielfach nachgewiesen.
Die Nationale Expertenkommission „Stechmücken als Überträger von Krankheitserregern“ am Friedrich Löffler Institut (FLI) erstellt eine Verbreitungskarte der Tigermücke, die auf der Homepage des FLI eingesehen werden kann.
1. Citizen Science Projekt: Einsendemöglichkeit für die Bevölkerung von verdächtigen Mückenfunden (Tigermücken) an das NLGA zur exakten Bestimmung. Einsendung von Fotos verdächtiger Mücken. (Informationen weiter oben)
2. Ausweitung des bestehenden Mückenmonitoring: An sieben Orten die als sogenannte Points of Entry (Einschleppung von Mücken durch den Warenverkehr, z.B. Blumenhandel oder Seehäfen) gesehen werden, wurden Mückenfallen aufgestellt. Diese werden regelmäßig überwacht. Anlassbezogen werden weitere Fallen aufgestellt wenn es zu verdächtigen Funden kommt.
3. Gezielte Informationen für die Bevölkerung in Gebieten mit Anzeichen für die Ansiedlung einer Tigermücken-Population, z.B. mehrere Tigermückenfunde.
Stechmücken können eine große Bandbreite an Infektionserregern übertragen. Abgeleitet vom griechischen Begriff für Gliederfüßer = Arthropoda, werden die von diesem Tierstamm übertragen Viren auch als Arboviren (von Englisch: arthropod-borne-viruses) bezeichnet. Besondere Bedeutung haben Dengue-, Chikungunya- und Zikaviren sowie das West-Nil-Virus. Unter den Parasiten ist Plasmodium, der Malariaerreger, der bekannteste, von Stechmücken übertragene Erreger.
Nicht alle Stechmückenarten sind gleichermaßen in der Lage, Infektionserreger zu übertragen. Man spricht hier von Vektorkompetenz, das heißt, eine bestimmte Mückenart (=Vektor) besitzt die Fähigkeit (=Kompetenz), einen bestimmten Infektionserreger zu übertragen. Tigermücken haben zum Beispiel eine ausgeprägte Vektorkompetenz für das Dengue-, Chikungunya- und Zikavirus. Der genannte Malariaerreger hingegen wird ausschließlich von Mücken der Gattung Anopheles übertragen.
Bei der Tigermücke handelt es sich um eine schwarze, vergleichsweise kleine Mücke. Die namensgebende schwarz-weiße Streifung der Beine ist nur aus der Nähe und bei guten Lichtverhältnissen zu erkennen. Häufig wird die Tigermücke mit der Ringelmücke Culiseta verwechselt. Diese sehr große, bräunliche Mücke besitzt deutlich erkennbare, braun-weiß geringelte Beine. Verdachtsmomente für eine Ansiedelung können sich ergeben, wenn Menschen auch tagsüber stark von Mücken belästigt werden.
Nicht nur tropische Stechmücken übertragen Krankheitserreger, sondern auch manche in Deutschland beheimatete Arten können als effektive Vektoren fungieren. Noch bis in die 1950er Jahre kam es in Deutschland zu Malariaübertragungen. Kriegsheimkehrer brachten die Infektion mit und die heimischen Anopheles-Spezies übertrugen den Parasiten auf die ansässige Bevölkerung. Zerstörte Infrastrukturen und eine mangelnde medizinische Versorgung sorgten dafür, dass der Infektionszyklus aufrechterhalten werden konnte.
Ein weiterer Erreger, das West-Nil-Virus (WNV), wurde 2018 zum ersten Mal bei Vögeln und Pferden in Deutschland nachgewiesen. Seit 2019 sind hauptsächlich in den Ostdeutschen Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen Infektionen beim Menschen bekannt geworden. Eine Einschleppung des WNV nach Deutschland erfolgte über Zugvögel. Vögel tragen das Virus in sich, erkranken jedoch selten. Vom Vogel wird das Virus durch unsere Hausmücke Culex auf Menschen und Säugetiere weiter übertragen. In den meisten Fällen verläuft die Infektion unauffällig. Bei etwa 20% der Infizierten kommt es zu einer grippeähnlichen Erkrankung. Nur einer von 100 Infizierten erkrankt schwer. Es ist davon auszugehen, dass es nicht-diagnostizierte Infektionen gab. Ausführliche Informationen zum West-Nil-Fieber und zur Situation in Deutschland stellt das Robert Koch Institut (RKI) auf seiner Internetseite zur Verfügung:
Unter den Säugetieren sind in erster Linie Pferde von Erkrankungsfällen betroffen. Für Pferde steht in Deutschland ein Impfstoff gegen das West-Nil-Virus zur Verfügung. Informationen zum Tierseuchengeschehen finden sich auf der Internetseite des FLI.
Mit einfachen Maßnahmen lässt sich die Stechmückenzahl im persönlichen Wohnumfeld deutlich verringern:
- Leere Blumenkübel, Eimer und Schalen sollten umgedreht oder weggeräumt werden. Tigermücken und andere Stechmückenarten nutzen selbst kleinste Wasseransammlungen für die Eiablage, z.B. in einem weggeworfenen Becher. Eine umfangreiche Darstellung möglicher Brutstätten der Tigermücke findet sich auf der Internetseite der KABS e.V. Diese kann als Anregung herangezogen werde, um mögliche Brutplätze im eigenen Garten zu identifizieren.
- Angesammeltes Wasser sollte dort vergossen werden, wo es schnell im Erdreich versickern kann, da die Stechmückenstadien eine Entsorgung über Abflüsse überstehen können.
- Regenwassertonnen kann man mit einem Deckel verschließen oder die Öffnung mit feinmaschigem Fliegengitter überspannen, um zu verhindern, dass Stechmücken ihre Eier hineinlegen. Hierbei muss allerdings sehr sorgfältig vorgegangen werden, da die Stechmücken selbst durch kleinste Ritzen dringen können.
- Regenrinnen sollten regelmäßig darauf kontrolliert werden, ob Laub den ungehinderten Wasserabfluss beeinträchtigt.
- Auf das Anlegen von Kleinstteichen, beispielsweise in Maurerkübeln, sollte möglichst verzichtet werden. Bei größeren Gartenteichen sorgt eine naturnahe Gestaltung dafür, dass Stechmückenlarven von Wasserwanzen, Wasserkäfern und Libellenlarven gefressen werden. Auch Fische nutzen Stechmückenlarven als Nahrungsquelle.
- Mit feinmaschigem Fliegengitter hindert man Stechmücken daran, in Häuser einzudringen.
- Bei Aufenthalten im Freien halten ätherische Öle in Form von Kerzen, Insektenspiralen oder Ähnlichem Mücken zu einem gewissen Grad fern.
- Lange Kleidung und das Auftragen von Abwehrsprays (Repellentien) auf die Haut schützen vor Mückenstichen.
Weitere Informationen, auch zum Einsatz von Biozidprodukten zur Stechmückenbekämpfung, finden sich auf der Internetseite des Umweltbundesamtes.

