AnKliMM
Die vielfältigen Auswirkungen von Temperatur und insbesondere extremen Klimaereignissen auf Mortalität und Morbidität sind inzwischen mehrfach international belegt. Insbesondere ist auch die Mortalität im Zusammenhang mit der durchschnittlichen Tagestemperatur in verschiedenen Ländern modelliert worden. Hier zeigt sich ein oftmals als u-förmig bezeichneter Verlauf: fallende Temperaturen wie höhere Temperaturen sind mit einem Mortalitätsanstieg verbunden. Hierbei ist der Anstieg pro zusätzlichem Grad Celsius bei Hitze deutlich stärker ausgeprägt. Während die Übersterblichkeit in der Sommerhitze auch in Deutschland hinlänglich belegt ist, sind hierzulande bislang wenige Studien zur Morbidität oder auch zur Inanspruchnahme von Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bekannt.
Hier setzt das AnKliMM-Projekt an: Während in der von Juli 2024 bis September 2025 währenden Pilotphase der Vergleich verschiedener methodischer Ansätze hinsichtlich ihrer Praktikabilität für Abrechnungsdaten im Vordergrund stand werden in der im Oktober 2025 gestarteten zweiten Projektphase ein auf Grund der Erfahrungen in der Pilotphase ausgeweiterte Datensatz auf mögliche Zusammenhänge zwischen der Temperatur und den Zieldiagnosen hin analysiert.
Im Einzelnen sind dies die folgenden Kommunen mit einer Gesamtbevölkerung von insgesamt rund 1,8 Millionen:
- Region Hannover,
- die Städte Salzgitter und Braunschweig sowie
- die Landkreise Peine sowie Wolfenbüttel.
Als Zieldiagnosen werden analysiert:
- Dehydration oder akutes Nierenversagen
- Vorzeitiger Blasensprung sowie Frühgeburten.
Ergebnisse der bereits abgeschlossenen Pilotphase
Der Vergleich verschiedener Modelle für den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Einweisungen mit einer der Zieldiagnosen und Temperaturdaten legt es nahe, sich bei der Falldefinition allein auf Hauptdiagnosen zu beschränken. Grundsätzlich erwiesen sich dabei verallgemeinerte Lineare Modelle als erfolgsversprechend: Dabei werden die als poissonverteilt angenommenen Tagesfallzahlen in Abhängigkeit von zeitabhängigen Einflussgrößen modelliert. In den Modellen konnten (bislang) keine Effekte von Hitze auf die Einweisungshäufigkeit bei den Diagnosen Blasensprung und Frühgeburt identifiziert werden. Tendenzen für vermehrte Einweisungen im Hitzekontext zeigen sich hingegen bei Dehydration und Niereninsuffizienz. Subanalysen, die auch verschiedene Altersgruppen berücksichtigen oder auch gezielt Pflegeheimbewohner untersuchen, waren aufgrund zu geringer Fallzahlen allerding statistisch nicht stabil genug.
Die zweite Projektphase soll die bisherigen vorläufigen Ergebnisse bestätigen oder entkräften sowie die Weiterentwicklung der Modelle erlauben.
Das Projekt wird aus Eigenmitteln des NLGA und der AOKN getragen und unterliegt keiner finanziellen Förderung durch Dritte.
Ansprechpersonen:
- M. Hoopmann, NLGA - Michael.Hoopmann@nlga.niedersachsen.de
- Dr. J. Weber, AOKN - Julia.Weber@nds.aok.de

